Beweisen müssen sich immer nur die Schwachen.
Und genau deswegen musste er sich nie beweisen. Alles, was Perseus infrage stellen könnte, prallt ganz einfach an seinem überbordenden Ego ab. Musste er überhaupt jemals einen Finger krumm machen oder fliegt ihm diese ganze Großartigkeit einfach so zu? Scheint einfach zu sein, sich im Licht einer der größten Reiter:innenfamilien des Königreichs sonnen zu können. Von selbstsicheren Schritten getragen und in den Augen immer eine leise Belustigung - als wüsste er mehr als sein Gegenüber. Mindestens aber, dass er ganz einfach besser ist.
Und dennoch…
Kaum etwas hätte größeren Druck auf einen kleinen, hitzköpfigen Jungen ausüben können, als diese wenigen Worte. Sie sind Leitspruch, Mahnung, der grauenhafte Traum, aus dem man mitten in der Nacht aufwacht. Immer dann allzu präsent, schmerzhaft eingraviert in den Vordergrund seines Bewusstseins, wenn er es mal wieder nicht schafft, nach ihnen zu leben. Denn manchmal kommt dieser Junge noch durch. In der Art, wie er hier und da die Klappe nicht halten kann, obwohl es doch besser wäre, sich auf die Zunge zu beißen. Oder wenn ihm in Momenten der Wut plötzlich Tränen in die Augen steigen. Und Perseus verflucht diesen Jungen, weil er doch so gar nicht ins Bild passen will, das er nach außen hin abgibt. Kein Befehl, den er missachtet, immer mit klarem Kopf bei der Sache, keine unnötigen moralischen Bedenken - der vermeintlich perfekte Soldat.
“Du bist manchmal irgendwie unheimlich.” sagte einst jemand zu ihm, in den er insgeheim verliebt war. Bis heute weiß Perseus nicht, was genau er damit gemeint haben könnte. Eine klare Vision von der Zukunft und der Macht, die man sich aufbauen, sowie die Leichen, über die man dafür bereitwillig steigen würde - ganz ruhig und klar vorgetragen wie ein Kochrezept - schien den Horizont eines normalen 14-jährigen zu übersteigen. Nicht jedoch den von Perseus und daher hat er sich von der Vorstellung verabschiedet, dass “normale” Menschen ihn jemals verstehen, geschweige denn das Wasser reichen könnten.
Das macht einen Charakter auf Dauer nicht gerade einfacher, aber immerhin hatte er zu jeder Zeit Gleichgesinnte, die ähnlich tickten wie er. Es störe ihn nicht, behauptet er großspurig und doch trifft es jedes Mal einen seltsam wunden Punkt, wenn ihm Bewunderung verwehrt bleibt oder wenn er merkt, dass jemand ihn nicht mag. Dabei sollte ihn ja viel mehr das große Ganze interessieren. Sein Platz in dieser Welt - in den vordersten Reihen, herausgetreten aus den Schatten viel größerer Soleils. Es gibt nur das Streben, dieses ewige Streben und die Selbstaufgabe für die Familie, vor der man sich ja doch irgendwie immer wieder aufs Neue beweisen muss.