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the empyrean
Lügen sind tröstlich. Die Wahrheit ist schmerzhaft.
— Rebecca Yarros, Flammengeküsst

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Charaktere von Hook


Flieger
56 Jahre alt
Das leise Knacken des offenen Feuers im Kamin vertrieb die sonstige Stille in der hölzernen Hütte am Stadtrand. Das Brechen der Holzscheite unter der Wucht der Flammen erinnert an andere Dinge. Andere Zeiten. Seine dunkelgrüne Augen verklärten sich, die schwarzen Pupillen geweitet und der Geist nicht mehr im Hier und Jetzt. Früher hatte es Stille nur selten in seinem Leben gegeben und noch viel weniger hatte er sie wertgeschätzt. Auch das war heute anders. Sein Leben damals könnte nicht gegensätzlicher zu seinem Leben heute sein. Und er? War auch er anders? Verändert. Und wenn ja, wie sehr?

Er war ein arroganter Mistkerl gewesen. Irgendwie charmant und gleichauf unausstehlich. Weil er gut gewesen war in dem, was er gemacht hatte und weil er damit nicht hinterm Berg gehalten hatte. Ein Flieger, ein Krieger, ein Befehlshaber und ein vorlauter Bastard.

Die große Hand Rav’s griff nach dem eisernen Schürhaken und das Knistern der Flammen verstärkte sich. Funken stoben auf und Hitze schlug ihm entgegen. Nicht einmal annähernd die Hitze, die Drachenfeuer erreichen konnte und er war befähigt, diesen Vergleich zu ziehen - schließlich hatte diese übernatürliche Macht mehrfach versucht, ihn aus diesem Leben zu reißen. Nur war es ihr nie gelungen. Nein, Kakerlaken überlebten alles. Er überlebte alles. Anderen war dies nicht vergönnt.

Er war Teil des Gipfelflügelschwarms, in diesem anderen Leben. Zunächst nur irgendein Flieger unter Vielen, später ein Schwingenführer der Sonnenschwinge und Schwadronsführer des 1. Schwadron. Hatte viele Operationen an den Grenzen Navarres durchgeführt und später im Rang eines Majors geleitet. War aus allen zurückgekehrt und hatte bei jeder Rückkehr neue Narben mitgebracht. Solche, die man sehen konnte und solche, die im Verborgenen lagen. Er hatte geplündert, gekämpft und getötet. Hatte gefeiert und getrauert. Jede Rückkehr in die Heimat war ein kleiner Sieg, während der Krieg an sich endlos erschien. Damals wie heute.
Nicht alle hatten so viel Glück gehabt, doch er selbst war nicht demütiger geworden. Vielmehr großspuriger, mit jeder neuen Schlacht. Nicht müde, sondern nur noch angestachelt, kampfbereit und so widerwärtig patriotisch. Er war dumm gewesen und arrogant und diese Arroganz hatte ihn vor gut zwei Jahren eingeholt. Die Operation in Navarre ging schief, die kleine Aufklärungs-Truppe seines Schwadrons, mit der er an diesem Tag unterwegs war, wurde von dem der Drachen vollkommen überrannt. Es schafften nicht alle von ihnen übers Gebirge zurück nach Poromiel. Sie verloren drei von ihnen. Auch er wäre beinahe auf navarrischem Boden verendet, begraben unter seinem sterbenden Greifen. Zora.

Seine Hand umschloss das Eisen fester und auch heute, so viele Jahre nach dem Vorfall, klaffte die Wunde in seinem Inneren, würde nie vollends verheilen. Erdrückte ihn an manchen Tagen mehr als an anderen. Ihr Verlust und der Verlust seiner Gabe der Emotionssteigerung. Die Welt ohne beides so viel dumpfer.

Sein Second in Command hatte ihn weggezerrt, mit sich gerissen und zurück nach Hause gebracht. Eines, das es für ihn nicht mehr gab. Ein Teil von ihm war auf navarrischem Boden gestorben, zusammen mit Zora. Seine zertrümmerten Knochen heilten, seine kaputte Seele nicht.
Unfähig, zurück in den Militärdienst zu treten, zog er sich zurück. Suchte die Einsamkeit, nur fähig sich in seinem Leid zu suhlen. Stieß jeden von sich. Wollte weg von dem Namen, den er sich im poromischen Militär gemacht hat. Weg von seinen Titeln, weg von seine Taten. Er kehrte seinem alten Leben vollumfänglich den Rücken. Das ging ungefähr ein paar Monate gut, ehe ihm zum Einen eine Aufgabe fehlte und zum Anderen Poromiels Militär seine Rückkehr verlangte. Doch im Grunde war Ravik nur noch eine Hülle seiner Selbst. Kaum etwas erinnerte zu der Zeit damals noch an den großen Krieger. So wurde aus dem Schwingenführer der Lagerverwalter am Außenposten in Bitan. Er kümmert sich um die Ausrüstung, die er damals genutzt hatte. Eine niedere Tätigkeit für jemanden mit seinem Rang, seinem Namen, seinem Talent. Vielleicht bestrafte er sich auch selbst. Gab und gibt sich noch heute die Schuld für das, was der Truppe seines Schwadrons passiert war. Für die Tode. Sie gingen auf seine Kappe.

Die Flammen verzerrten seine harten Züge. Scharfkantig, gezeichnet von der Zeit, von diesem fremden Leben. Heute war er Jäger - das war es zumindest, was er nach Außen immer erzählte. Schwieg den militärischen Strang aus, wollte sich nicht mit der Tatsache einer zweiten Bindung beschäftigen und dass ihm die Zeit davon lief. Die Leute im Dorf kannten ihn und ließen ihn doch oft in Ruhe. Neben seiner Arbeit am Außenposten half er im Dorf, ab und an. Gegen Bezahlung verschiedenster Art. Verkaufte seine Beute. Fleisch, Felle. Werkzeuge. Und er war freudiger Abnehmer des billigen Biers in der Schenke. Meistens mit grimmiger Miene allein in einer düsteren Ecke sitzend. Er hatte gelernt, die Stille zu akzeptieren, während der Krieg weiter in seinem Herzen tobte.

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based on "the empyrean"-series by Rebecca Yarros