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the empyrean
Soll' die effektivste Geheimwaffe gegen feindlich gesinnte Greifen sein, rosige Wangen, richtig einschüchternd.
Lyev Faulkner

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D-dabei wusste ich g-gar nicht, was das V-viadukt ist...
‐ Lirael Crane

Statistiken

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Auszeichnungen (5)

vom 06.12.2024
vom 06.12.2024
vom 24.12.2024
vom 01.01.2025
vom 01.04.2025

Charaktere von Motte


Reiter
36 Jahre alt
»Ein Soleil?« - Es ist eine Frage, die Nevian in dieser oder mindestens ähnlicher Form bestimmt schon hunderte Mal gehört hat. Meist entsteht sie mit Blick auf jenes Familienwappen, welches der Reiter an einer Kette um den Hals trägt: eine goldene Sonne mit geschwungenen Strahlen, die symbolisch auch die Wände des familiären Anwesens auf weißem Grund schmückt. Eine Antwort wird dabei selten erwartet. Und wenn, dann nur in positiver Form, stellt die Frage selbst doch in meisten Fällen bereits ein Kompliment dar. Die Soleils sind bekannt, sie sind beliebt und ihr Name reicht zumindest in militärischen Kreisen bereits als eigenständiges Statement aus. Man weiß, mit was man es zu tun hat, wenn man einen Soleil vor sich hat. Regimetreue, Kampfgeschick, Tradition und Reichtum folgen den Angehörigen des Hauses der Sonne als guter Ruf und positionieren sie in unterschiedlichen Institutionen des Militärs oft in hohen Rängen. Die Soleils sind gut vernetzt, sie sind erfolgreich und wer es nicht zum Reiter schafft, der bekommt nach seinem Ableben wenigstens einen ehrenvollen Platz im feierlichen Gedenkbuch der heimischen Kapelle geschenkt - so viel Treue ist man sich doch eine Selbstverständlichkeit. Nevian immerhin war ohne Zweifel erfolgreich. Und auch wenn er sicher nicht das absolute Ausnahmetalent ist, welches sich seine Familie von ihren Mitgliedern grundsätzlich wünscht, so ist er doch perfekt genug, um als eines von vielen Soleil-Vorzeigekindern zu dienen. Seht, das ist es, was wir dem Reich bieten können, so lautet die recht offen kommunizierte Botschaft. Eine Nachricht, die sich der Reiter mit einem gewissen Stolz auf die Brust schreibt und als festen Bestandteil seiner Identität betrachtet. Dass die Loyalität gegenüber Navarre ihm praktisch wie auf den Leib geschnitten ist, erklärt zudem auch seine aktuelle Tätigkeit. Als zusätzliche Verantwortung zu alltäglichen Reiter-Verpflichtungen, geht Nevian außerdem der Aufgabe eines Deserteurenjägers nach und bringt Abtrünnige zur Strecke. Eine Mission, die er mit einer gewissen Leidenschaft verfolgt und dabei zwischen Freund und Feind kaum unterscheidet. Denn wo der Reiter auf den ersten Blick wie ein hilfsbereiter, sympathischer Goldjunge wirken mag, tun sich Abgründe auf, sobald Verrat vermutet wird. Nevian ist gnadenlos in seiner politischen Überzeugung, erbarmungslos in der Durchsetzung von Befehlen. Und während andere bei emotionaler Verbundenheit ins Stolpern geraten, werden persönliche Befangenheiten seinerseits mit der gleichen Resolution bei Seite gewischt, die ihn auch die Hellebarde in Richtung Kehle schwingen lässt. Tod ist eine einfache Lösung und im Falle von Widerstand oftmals der ideale Weg zum Frieden.

Diplomatin
31 Jahre alt
Der Winter weckt die Wölfe - und im Falle der Dales bedeutet dies, sich ganzjährig mit Gefahr auseinanderzusetzen. Zwölf Monate im Jahr ist die Kleinstadt Lavenstow, der Heimatsitz der Dales, von Eis bedeckt, lockt weder durch angenehme Temperaturen, noch atemberaubende Landschaft. Schnee, eisiger Küstenwind und Verzicht sind die drei prägnantesten Merkmale, die Marzas Leben zeichneten. Und die auch heute noch erklären, wie aus einer augenscheinlich behüteten Grafentochter eine Säule des Widerstandes werden konnte. Ihre Wehrpflicht verrichtete Marza in Basgiath als Schriftgelehrtin, wusste schon damals, dass sie nach besagter Tätigkeit zeitnah in ihre Heimat zurückkehren würde. Denn ganz gleich wie arm die Dales sein mögen, wie bereitwillig sie ihre eigenen Kinder entweder zum Reiterquadranten, schicken oder aber in ferne Herzogtümer verheiraten - familiärer Zusammenhalt und ein tief verankerter Sinn des Überlebens gehörten schon immer zu den einprägsamsten Eigenschaften der heruntergekommenen Grafschaft. Über die Jahre hat Marzanna sich als Buchhalterin ihrer Familie etabliert, kümmert sich gewissenhaft um alle relevanten Finanzprozesse, die im Westen Luceras anfallen. Dass sie dabei von Zeit zu Zeit etwas zu großzügig die Feder schwingt, ja, in Bezug auf das familiäre Minengeschäft sogar waghalsig genug ist, die Ertragszahlen gegenüber ihrer Herzogfamilie zu fälschen, hat mittlerweile Routine. Es ist Marzas Art, ihre Familie zu schützen, die tatsächliche Wahrheit des familiären Ruins fern der Sorge ihrer Geschwistern und Eltern zu lassen. Und eine Strategie, die bisher funktioniert, von niemandem großartig hinterfragt wird. Bis jetzt. Als klar wird, dass die erste von drei ohnehin bereits erschöpften Mine versiegt ist, in Erträgen vor dem finanziellen Aus steht. Marzas Lösung? Eine von ihr lange aufgeschobene Hochzeit muss her, durch ein vielversprechendes Bündnis und eine begleitende, harmlose Lüge die Zukunft der Dales sichern. Das Hindernis? Marzannas fortgeschrittenes Alter, ihre frostig-pragmatische Persönlichkeit und der feine aber nicht unwesentliche Hang dazu, ihre Familie besser situiert darstellen zu lassen, als diese es tatsächlich ist. Es bleibt abzuwarten, wie warm man die Dale im zentralen Calldyr wohl zur kommenden Hochzeitssaison am Hof willkommen heißen wird. Und wie erfolgreich Marzanna in dem Bestreben sein wird, mit besagter Entscheidung ihren Teil zur langfristigen Rettung ihrer Familie beizutragen.

Reiterin
25 Jahre alt
Es qualmt, es ist warm und überall im Raum riecht es entfernt nach Salbei und Schwefel. Lada, die man zumeist in der Mitte komplexer, leise surrender Gerätschaften, brodelnder Töpfe und dutzender Pflanzen entdecken kann, erweckt auf den ersten Eindruck nicht unbedingt den typischen Anblick einer Drachenreiterin. Zumeist findet man die Giftmischerin entweder mit der Nase in einem Buch, dass in komplexer Detailverliebtheit über die Theorie der Toxikologie aufklärt, oder aber in ihrem Forschungslabor, wo sie in hochgradiger Konzentration an unterschiedlichen Kombinationen von Mitteln und Wirkstoffen arbeitet. Immer mit dem Ziel, irgendwann ihren Traum der Nutzung von Drachengift zu verwirklichen und das Militär auf diese Weise in einen neuen Entwicklungsstand zu katapultieren. Dass Lada neben jener Passion auch noch militärischen Pflichten nachkommen muss, wird hingegen von einer etwas verwandelten Persönlichkeit der Reiterin begleitet. Außerhalb ihrer laborischen Komfortzone erlebt man die junge Frau meist verträumt, oft ein wenig geistesabwesend und schrecklich sprunghaft in ihrer Konzentration. Es wird offensichtlich, dass Lada vor allem im Hyperfokus ihre geistigen Glanzleistungen vollbringt und darüber hinaus gezielt dafür kämpfen muss, fokussiert zu bleiben. Bereits zu College-Zeiten haderte die junge Frau mit den meisten Aufgaben, musste sich immer härter treiben, um jene Defizite auszugleichen, die sich durch ihren zivilen Familienhintergrund ergeben. Als Tochter von zwei Apothekern mag Lada zwar mit einem ausgeprägten Verständnis für Pflanzenwirkstoffen aufgewachsen sein, wenn es jedoch um die Kenntnis zur Führung eines Schwertes geht, versagt ihre Blutlinie jämmerlich. Kein Wunder daher, dass sie sich auch heute noch gezielt zu militärischen Grundabläufen überwinden muss, dabei immer wieder auch Wiederholungen ihrer Übungen schlichtweg vergisst. Unterstützung in Sachen Training gibt es glücklicherweise von Ran, Ladas übellauniger und bissiger Drachenbegleitung, die sich nicht zu schade ist, bei Zeiten sogar mit dem Schwanz nach ihrer eigenen Reiterin zu schlagen, um diese auf recht unwirsche und direkte Weise zurück in die Realität zu holen.

Fliegerin
39 Jahre alt
Miray, oder auch: glowing like the moon. In der Familie Vardan war Miray stets ein beispiellos passendes Kind. Genau das, was man sich neben ihrem zwei Jahre älteren Bruder Mael als Ergänzung der Hauptlinie gewünscht hat. Ein ebenmäßiges Temperament, ausgeprägter Lernwille, ein gutes Herz und eine treue Seele zeichnen die Fliegerin aus, machen sie in ihrer Heimat zu einer wichtigen und beliebten Figur. Miray steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, ist politisch auf eine Weise relevant, die beispielhaft für die Involvierung ihrer Familie in unterschiedlichen Gremien ist. Dass die Vardan außerdem einen ausgeprägten Sinn für Empathie hat, zeigt sie immer wieder vor allem in ihren Kernüberzeugungen. Sich nicht auf navarrisches Niveau herabzulassen, ganz gleich wie groß die Verzweiflung auch sein mag, gehört zu ihren Leitmotiven und fängt ihr, neben humanistischer Bewunderung, häufig auch beißende Kritik ein. Sie sei zu sanft, so wird Miray von Zeit zu Zeit vorgeworfen. Zu gutmütig, zu weich, zu unentschlossen. Zu zögerlich, wenn es darum geht, schwierige Entscheidungen zu treffen. Es sind Vorwürfe, gegen die sich Miray leicht zur Wehr setzen kann. Denn so gutherzig sie auch sein mag, so willensstark und entschlossen ist sie auf der anderen Seite. Es braucht einen besonderen Geist, sich gegen ihren charismatische und beliebten Führungsstil durchzusetzen. Und einen besonderen Sinn für Brutalität, welche Miray von Haus aus zu wieder ist und bereits zu ihren Zeiten als Schwingenführerin mit Ablehnung gestraft wurde. Heute beansprucht die Vardan einen Sitz im poromielischen Kriegsrat, ließ ihre aktive, militärische Karriere hinter sich, um nach dem Tod ihres Bruders dessen Amt zu übernehmen. Dass ihr die Rolle als Politikerin bequem geworden ist, zeigt der Rest ihres Lebens, verbringt die Fliegerin doch mittlerweile mehr Zeit in den Räumlichkeiten endloser Sitzungen als zwischen den Grausamkeiten unterschiedlicher Schlachtfelder. Dennoch volksnah zu bleiben und sich auch unter den gemeinen Leuten immer wieder präsent zu zeigen, ist hingegen eine kalkulierte Entscheidung und gemeinsam mit dem Wahrheitsgehalt jener Taten Kernelement ihrer bis dato unantastbaren Beliebtheit.

Reiterin
55 Jahre alt
À la folie - bis in den Wahnsinn. Es ist ein Versprechen, dass Cisne sich einst selbst gab, welches als eisernes Leitmotiv vor ihrem Leben schwebt und ihr die Richtung angibt. Früher, so erinnert sich die Reiterin mit einer gewissen Nostalgie, war da noch der erbitterte Wunsch, ihrer Familie gerecht zu werden, dieser als neue Leitfigur die autoritäre Richtung vorzugeben. Als älteste Tochter der Herzogfamilie von Elsum wurde Cissa mit der Bestimmung zu Herrschen geboren, sah diese auf eine Weise als ihr Geburtsrecht, dass ihr das Bedürfnis danach ganz selbstverständlich in Fleisch und Blut überging. Immer war klar - Cisne würde das Herzogtum irgendwann übernehmen, die Astornes und damit auch ganz Elsum in eine bessere Zukunft führen. Die Regierungs-Probezeit, welche als Tradition der Familie den wahrhaftigen Herrscher bestimmt? In Cissas Fall lediglich eine Formalität, mit Blick auf ihren jüngeren Bruder ein praktisch konkurrenzloses Unterfangen. Und doch war jene es, die Cisne dann stolpern ließ, sie gänzlich unerwartet doch zum Scheitern brachte. Denn ganz gleich wie gut sie vorbereitet war, wie perfekt sie der Aufgabe gewachsen gewesen sein mochte - ihrem körperlichen Versagen, der daraus resultierenden Infektion und Monaten der Schwäche vermochte auch der eiserne Wille einer geborenen Erbin wenig entgegen zu setzen. Selbst heute, Jahrzehnte später, erinnert sich Cissa nicht gerne an ihre Krankheit, spricht weder bereitwillig über die Monate des Leidens, noch über jene Folgen, die daraus resultierten. Es waren die Wochen der Bettlägerigkeit, die das Wahrnehmen ihrer Aufgaben unmöglich machten, ihre Probezeit zum Scheitern brachten. Und die daraus resultierende, vermutete Zeugungsfähigkeit, welche familiär sicherlich ihren Teil dazu beitrug, den Gedanken an ihre fehlende Eignung zu bestärken. Fort war der Glaube, dass man Cisne das Herzogtum tatsächlich anvertrauen könnte, dass sie es mit jener Selbstverständlichkeit führen würde, welche man ihr bis dahin immer zugeschrieben hatte. Stattdessen stieß man das Wunderkind bei Seite, bevorzugte ihren Bruder als eine stabilere und sicherere Wahl, der zwar nicht für die Aufgabe geboren war, sehr wohl jedoch nun in diese herein wachsen musste. Ein schwerer Schlag für Cissa, die bis dahin nur für ihre Krone gelebt hatte, den Verlust kaum zu verwinden mochte. Aus Trauer wuchs Wut, aus Wut wuchs Hass und aus Hass vermochte sich final Rache zu entwickeln, bot den Antrieb für die damals noch junge Astorne, sich entgegen der eigentlichen Wünsche ihrer Familie bei Beginn ihrer Wehrpflicht in den Reiterquadranten einzuschreiben. Klar war, für Cissa dass sie ihr Ziel von Macht erreichen würde - ganz gleich, welcher Preis auf besagtem Weg bezahlt werden musste. Heute kennt man die Astorne als eine der einflussreichsten Reiterinnen ihrer Zeit. Drei Jahrzehnte diente sie an der Seite von Ronan Soleil im Ostgeschwader, etablierte sich hier nicht nur für ihre kompromisslose Grausamkeit, sondern auch für ihren Hang zum Wahnsinn. Befehle wurden um jeden Preis ausgeführt, Ziele mit jedem nötigen Opfer erreicht. Nur eine Sache schien Cisnes Herz erwärmen zu können - Kinder. Schon immer als Schwachpunkt der Astorne identifiziert, sorgte Ronas Jahre lang bestmöglich dafür, seine rechte Hand von zivilen Kämpfen und Strukturen fern zu halten. Immer in dem Wissen, dass das Leid von Kindern Cissa destabilisierte, ihre eigentliche Rationalität weichen ließ und sie angreifbar machte. Erst mit der großen Diskussion um das Verfahren der Rebellenkinder sollte sich das Bild nach der Schlacht um Aretia wandeln. Als einer der großen Fürsprecher setzte sich Cissa gezielt für die Zeichnung und gegen die Hinrichtung ein, appellierte immer wieder an Ronas, sich als Geschwaderführer für den Schutz der Kinder stark zu machen. Wenig überraschend daher, dass ausgerechnet Cisne nach dem Erreichen jenes Zieles der Platz als Geschwaderführerin des Südens angeboten wurde, begleitet von der Chance, Tyrrendor nach eigenem Ermessen in eine bessere Zukunft zu führen. In ihr fand man die nötige Härte, aber auch den Wunsch nach einer besseren Zukunft, - zweierlei Eigenschaften, die man sich für die Region wünschte. Und eine Reiterin, die bereits 25 aktiven Dienst vorzuweisen vermochte, sich mehrfach in Eignung und Charakterstärke für den Posten qualifiziert hatte. Dass Cissa in Tyrrendor heute mit Eisenfaust regiert, steht ihr gleichermaßen zu Gesicht, wie jener Sanftmut, den sie konfrontiert mit ziviler Unschuld einzugestehen vermag. Es ist eine komplexe Dualität der Gefühle und Verhaltensweisen, welche auch mit den undurchsichtigen Strukturen der ehemaligen Rebellenregion nach fünf Jahren des Amtsantrittes immer noch vor Herausforderungen gestellt wird.

Flieger
25 Jahre alt
Das Brennen von Aretia - es ist ein Trauma, das ein Leben zeichnete. Auch jetzt noch kann sich Aven gut an das Feuer erinnern, das Knistern des Holzes, den Geruch der brennenden Toten. Die Zerstörung der Hauptstadt Tyrrendors symbolisierte nicht nur das Ende der Rebellion, sondern auch das Ende von Avens Leben. Zumindest in der Form, wie er es bis dahin kannte. Als navarrische Waise wuchs der Moralis unter ärmlichsten Verhältnissen auf, kannte keine Leichtigkeit, bis er Bane traf. Der Gleichaltrige, noch viel traumatisiertere Junge sollte in den Jahren ihrer gemeinsamen Kindheit zu seinem Ankerpunkt, seiner Rettung, seiner Familie werden. Umso grausamer war der Verlust, als Aven ihn in den Flammen des Krieges zuerst niedergestreckt und dann brennen sehen musste. Auch heute noch, fünf Jahre später, wacht er manchmal schweißgebadet auf, kann die Schreie der Zivilisten und das Tosen des Krieges direkt in seinem Ohr hören. Es ist eine Wunde, die nicht heilt, nein, die durch seine Gabe der Traumwanderung viel eher konstant schlimmer gemacht wird. Denn auch wenn Aven weiß, dass sein Bruder tot ist, so spielt ihm sein Geist doch immer wieder vor, vereinzelte Besuche in den Träumen des Verstorbenen zu machen. Erinnerungsfetzen und skurrile Gedanken kreisen dabei durch seinen Kopf, lassen in schweißgebadet und nicht selten auch unter Tränen erwachen. Eigentlich sollte das Leben mit der Flucht nach Poromiel besser werden, es ihm ermöglichen, diese Narben endgültig in der Vergangenheit zurücklassen zu können. Und doch ist der Fortschritt mühselig, sperrig und von immer wieder kehrenden Rückschritten begleitet. Heute mag Aven als junger Flieger zwar erfolgreich auf der anderen Seite angekommen sein, auf Grund seiner falschen Identiät wird sein gesamtes Auftreten aber dennoch von einem unbequemen, gestohlenen Nachnamen und einer erlogenen Hintergrundgeschichte geprägt. Als Aven Feich kennt man ihn hier - ein weiterer Baustein im Konstrukt jener Lügen, die er immer fester um sich herum baut und damit jegliche Heilung unmöglich macht. Nicht selten fühlt sich Aven wie nur ein halber Mensch, zweifelt daran, dass er irgendwann wieder glücklich sein wird. Und doch ist da Hoffnung, klein, erbärmlich, lebendig. Sie streckt ihren Kopf und flüstert. Berichtet dabei von der absurden Möglichkeit, Bane irgendwann vielleicht doch wieder auf der anderen Seite der Grenze erspähen zu können, in einer Welt, die besser ist als jene, die er bei seiner Flucht zurückließ.

Reiterin
20 Jahre alt
Ein Leben wie im Märchen, so hat Lirael sich ihre Existenz einst vorgestellt. Als Küken der Adelsfamilie Crane war das Mädchen froh, stets im Schatten ihrer älteren Schwester Veena zu verschwinden, hinter deren Persönlichkeit und Ambition nicht viel mehr als eine beiläufige Randnotiz zu verbleiben. »Wo versteckt sich Lirael?« Oh, die ist wieder mit ihrer Nase in irgendeinem Buch versunken, findet man am ehesten, wenn man die ausladenden Ecken der familiären Crane-Bibliothek studiert. Über die Jahre ist die junge Frau eine Meisterin darin geworden, im Anwesen der Familie noch immer Winkel und Ecken zu entdecken, in welchen sie unentdeckt und damit auch ungestört bleiben kann. Ob nun auf der Ablage des verlassenen Fenstersims im vierten Stock, oder aber hinter dem Haus, auf jener großen Schaukel, welche den gut gepflegten Garten hinter einigen Sicht geschützten Hecken ziert - Lirael ist da, wo sie alleine ist. Und das mit großer Freude, denn es sind die Charakter ihrer Bücher, welche ihr die beste Gesellschaft bieten. Dutzende Romane liest die junge Frau im Monat, verschlingt dabei vor allem klassische Liebesgeschichten, die das schicksalshafte Aufeinandertreffen zweier Protagonisten erzählen. Lirael liebt die Liebe, freut sich vor allem, wenn andere diese in absoluter Glückseligkeit für sich entdecken. Dass sie mit ihrem Kopf daher zumeist in den Wolken schwebt, sich etwas realitätsfern der Wirklichkeit präsentiert, war für die Familie niemals ein akutes Problem. Man ist froh, sich mit Lirael nicht großartig beschäftigen zu müssen, sie einfach ihr etwas unorthodoxes Ding machen zu lassen. Und die junge Frau schätzt jede Gelegenheit, mit Hilfe ihrer Bücher einer familiären Wirklichkeit entfliehen zu können, die in großen Teilen jene Liebe misst, welche ihr gut geschriebene Fiktion bietet. Worte auf Papier sind ihre Heimat, ihre Passion, ihr Trost. Und sie inspirieren auf eine Weise, die Lirael sehr selbstverständlich auf die Idee brachte, irgendwann einmal selbst Bücher schreiben zu wollen. Schon immer träumte das Mädchen davon, Autorin zu werden, hortet in ihrem Zimmer selbst geschriebene Manuskripte, die zum Teil bereits Jahre alt sind. Dass ihre Eltern diesen Wunsch eher als Hirngespinst, denn wirkliche Zukunftsmusik behandeln, ist Lira egal. Sie weiß, was sie erreichen will, kündigte schon früh an, irgendwann zum Schreiberquadranten gehen zu wollen, um sich dort trotz militärischer Verantwortung bestmöglich auf ihren eigentlichen Traum vorbereiten zu können. Umso erstaunlicher dann, die unerwartete Wendung der Geschehnisse. Denn als Liraels verpflichtender Wehrdienst schließlich vor der Tür stand, tauchte die junge Crane nicht etwa wie abgesprochen in der Liste möglicher Schriftgelehrten auf. Nein, Lirael sortierte sich zu den Anwärtern angehender Drachenreiter, stieß mit jener unerwarteten Entscheidung nicht nur ihre Schwester vor den Kopf, sondern auch die gesamte Familie Crane in ein unerwartetes Chaos.

Reiter
35 Jahre alt
Hätte man relevante, militärische Schlüsselfiguren noch vor gut zehn Jahren nach Rune Belamour gefragt, so wären die Reaktionen wohl denkbar positiv ausgefallen. »Der Junge hat Talent, aus dem wird mal was werden«, hätte man sie sagen hören, dabei vor allem Runes fliegerisches Feingefühl und seine beinahe akrobratischen Luftkampfmanöver gelobt. Es war denkbar leicht, den Musterschüler in positivem Kontext darzustellen, ihn gleichermaßen in Fähigkeiten, wie auch Charakter zu loben. Rune, der Charmante. Rune, der Unkomplizierte. Rune, der Ehrgeizige, der ein exzellentes Gefühl für die Befolgung von Befehlen hatte und vielleicht gerade deshalb als extrem vielversprechender Reiter hervorstach. Genau die Ergänzung, die man sich für eine jede Reiterstaffel wünscht, die man als Wunschkadett auf eine heimliche Empfehlungsliste schreiben würde. Bis zu der Schlacht von Aretia. Bis zu Runes Einsatz in einem Krieg, der wenig mit Heldentum und alles mit systematischer Unterdrückung zu tun hatte. Es reichte ein einziger, militärischer Konflikt und die daraus resultierenden Verletzungen, um Rune das Vertrauen in seinen Staat verlieren zu lassen. Und ihn mit einem Trauma zu behaften, welches auch heute noch nachhaltig seinen Alltag bestimmt. Seit seiner Beteiligung in Aretia ist er ungeduldiger, schnippischer, risikobereiter und rebellischer. Nicht auf eine Weise, die einen Ausschluss aus dem aktiven Dienst rechtfertigte, sehr wohl jedoch in einem Grad, welcher final eine Versetzung von der Front bei Samara nach Penrith rechtfertigte. Zur Küste schob man den Reiter ab, in der Hoffnung, dass die Mischung aus Einsamkeit, Meerluft und Kriegsferne ihren Teil dazu beitragen würde, Rune erneut den Kopf auf den Schultern gerade zu rücken. Eine hoffnungslose Eingebung, denn während um Samara weiter der militärische Konflikt tobte, war Rune in Penrith ausreichend Zeit gegeben, seine vorangegangenen Taten tot zu denken. Immer riskantere Manöver, waghalsigere Pläne und absurdere Vorhaben folgten. Als Teil der Vorhut war Rune eine gewisse Vorsicht für den Job eingebläut worden und doch folgten immer mehr persönlich gewählte, selbstverständliche Freiheiten, die genau diese außer Acht ließen. Immer tiefere Konflikte ergaben sich zwischen Staffelführung und Vorhut, allen voran Rune, der zwischen dem Bedürfnis zu Folgen und seinem eigenen Willen gefangen stand. Als dann final jener Fehler passierte, der im Grunde nur eine Frage der Zeit gewesen war, sollte dieser Rune beinahe das Leben kosten. Eine Entscheidung zu gewagt, eine Flugkurve falsch geschätzt und dann das grausamer Resultat: der Abschuss von Runes Drachen und ein anschließender Kampf ums Überleben, der sowohl physisch als auch seelisch alte Wunden in gnadenloser Effektivität wieder aufriss. Heute befinden sich Drache und Reiter bereits seit einem guten Jahr in Rehabilitation, kämpfen noch immer darum, erneut den Weg zurück an die Front zu finden. Ob hinter jenem Wunsch jedoch tatsächliche Überzeugung oder gar der verzweifelter Wunsch nach alter Routine steckt, vermag wohl niemand sicher zu benennen - am wenigsten Rune selbst.

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based on "the empyrean"-series by Rebecca Yarros