Statistiken05.02.2025 Registriert am 02.04.2025 Zuletzt online 30.03.2025 Letzter Beitrag 1 Inplayzitate 4 Inplay-Posts 2 Szenen insgesamt 22162 Geschriebene Zeichen 5541 Zeichendurchschnitt Auszeichnungen (1)Charaktere von Mina![]() Reiterin
20 Jahre alt
Du lernst früh, wie die Welt dort draußen tickt, wie sie ächzt unter dem Gewicht des Krieges, wie ihr Boden durch das Blut all jener Lebewesen fault, die am Ende des Tages doch alle für dasselbe Ziel kämpfen: Das Richtige zu tun. Zu überleben. Du siehst, was die Kraft und Magie der Drachen anrichten kann und begreifst, dass jener Plan selten eine Aussicht auf Erfolg hat, wenn Feuer die Haut von den Knochen frisst, das Skelett zu Asche zerfällt, Klauen zerfetzen, Reißzähne sich um Hälse schließen und es im nächsten Augenblick hässlich und durchdringend knackt – und verlierst bei all dem, was sich vor deinen jungen Kinderaugen abspielt, schneller deinen Verstand, als er sich überhaupt vollständig entwickeln kann.
Deine Eltern sind der Meinung, dass es wichtig ist zu sehen, in welcher Welt du aufwächst. Dass es ein Privileg ist zu leben, doch der Tod einen feuchten Dreck auf diese Gunst gibt und sich nimmt, was er begehrt. Täglich, stündlich, minütlich, sekündlich. Einen Anker in der Welt, die vom Tod so sehr gezeichnet ist, dass du nur darauf wartest, wann sie endlich implodiert, findest du in deinen Geschwistern. Denn sie verstehen, warum die Nächte nicht mehr dir gehören, warum du täglich mit den Schatten in deinem Inneren kämpfst, stumm aber schneidend scharf. In ihre Haut hat sich derselbe süßliche Verwesungsgeruch gefressen, wie er auch an dir als unsichtbarer, giftiger Nebel haftet. Doch sie werden dir genommen. Du siehst dabei zu, wie sie ausgebildet werden, um deinen Eltern an die Front zu folgen, wie sie bluten, sich Knochen brechen, wie sie so sehr an die Grenzen ihrer Kräfte getrieben werden, dass sie dem Wahnsinn begegnen, immer und immer wieder, während du… oh, für dich stehen völlig andere Pläne geschrieben. Denn dem Tod muss getrotzt werden, bevor er Familien ausrottet und Blutlinien tilgt. Das wird deine Aufgabe sein. Du, Zaria Swansea, durftest seit Kindertagen sehen, wie sich Drachen in die Lüfte schwingen und mit ihren Reitern in den Krieg ziehen, doch dein Weg wird der einer liebenden Ehefrau sein, einer Mutter, die ihren Familiennamen weitergibt, sodass er noch lange bestehen bleibt, wenn deine Eltern und Geschwister schon längst nichts weiter als zusätzliche Ascheflocken auf verkohltem Boden sein werden. Du wehrst dich gegen dieses, von deinen Eltern vorgeschriebene, Schicksal, zerreißt die hübschen Kleider, in die man dich steckt, du schreist, du rebellierst, du schlägst um dich und als nichts davon hilft verletzt du dich selbst, findest Trost in dem Schmerz, den du dir zufügst und den hübschen, roten Bluttropfen, die deine Haut entlanglaufen und sich in deiner Armbeuge sammeln. Wer will immerhin schon eine Frau mit Narben und Wunden?Und genau an diesem Punkt kommt dir der Gedanke, der dein Leben von nun an völlig ändern wird: Du trainierst heimlich. Deine Geschwister sind durch die Schläge deines Vaters, durch die blauen Flecken und die Übungsstäbe, die bereits etliche Male auf ihre Haut und Knochen niedergegangen sind nicht nur deutlich geschickter als du, sie übertreffen dich in einfach allem, das eine gute Kampfkunst ausmacht. Du fällst, du blutest, du kannst kaum atmen, als du dir die erste Rippe brichst und humpelst, als dir beim Verbessern deiner Beintechniken der Fuß wegknickt. Deinen Eltern gehst du aus dem Weg, was sich als nicht sonderlich kompliziertes Verfahren herausstellt, immerhin tauchen sie oft wochenlang nicht zuhause auf. Dein Blick, den man, hättest du eine andere Erziehung genossen, als tiefen, ruhigen Ozean hätte bezeichnen können, wird zu gefrorenem Eis, deine Miene ausdruckslos, dein Verstand zwar scharf und vorsichtig doch durchzogen von dunklen Nebelschwaden der Manie, die nur darauf warten, wie glühende Messerklingen zuzustechen. Du bist nicht weniger als ein Wrack, eine weitere Gabe an den Krieg, doch du lebst. Die Frage ist nur… inwiefern? Deine Ausbildung zur Reiterin ist vielmehr eine Flucht, als eine bewusste Entscheidung. Sie ist deine persönliche Rebellion, ein Zeichen, dass du mit Sicherheit keine Kugel vor dir herschieben wirst, während deine Geschwister ihr Leben aufs Spiel setzen. Wenn sie fallen, dann fällst du mit ihnen – oder du stirbst bei dem Versuch, die Ausbildung am Basgiath War College zu überleben, um eine psychisch labile Soldatin, statt einer emotional instabilen Mutter zu werden. Was von deiner ohnehin nur noch begrenzten Menschlichkeit dir die nächsten drei Jahre noch zusätzlich nehmen wird... das vermögen nicht einmal die Sterne zu sagen. Aber wen interessiert schon das Urteil von bereits verglühten Hoffnungsträgern? |