Statistiken04.03.2024 Registriert am 04.04.2025 Zuletzt online 02.04.2025 Letzter Beitrag 9 Inplayzitate 161 Inplay-Posts 60 Szenen insgesamt 543476 Geschriebene Zeichen 3376 Zeichendurchschnitt Auszeichnungen (9)Charaktere von Jule![]() Reiterin
21 Jahre alt
Ein Albtraum; schon wieder. Es ist der dritte diese Woche - hast dir geschworen, nicht mehr zu zählen, weil's keinen Unterschied macht, ob du ihnen Beachtung schenkst oder sie ignorierst. Sie sind da. Sie lassen dich aufwachen, schweißgebadet, und dich, vollgepumpt mit Adrenalin, stundenlang durch dein Zimmer laufen. Das hast du davon. Du weißt, dass du eigentlich nicht allein sein kannst, bist es daher auch selten. Schleichst dich mit deiner offenen Art, dem breiten Grinsen und deinem unverschämt guten Look im Reiterleder nur allzu leicht auf die Räume anderer Kadettinnen - hat nicht nur Nachteile, von den Atemzügen anderer in den Schlaf begleitet werden zu müssen; hast auch was davon. Könntest du wählen, wüsstest du, was dir lieber wäre. Mit deinen Gedanken allein sein zu können. Zweifel und Ängste zulassen zu können, ohne, dass sie dich gleich beherrschen - und dein Weltbild aus dem Gleichgewicht bringen.
Du warst schon immer anders. Schwierig anders: Um die Richtung, in die der Weg deines Lebens dich führen wird, hast du dir nie Gedanken machen müssen - bist dankbar darum, dass der Weg in den Reiterquadranten für dich alternativlos war. Ein Problem, eine Frage weniger, die du dir hast stellen müssen. Tauscht die blauen Flecken, die brennenden Lungen und die bleierne Müdigkeit, die Stunden des Trainings dein Leben lang zu deinen treuen Begleitern machten, jederzeit ein gegen die Verantwortung, dein Leben planen zu müssen. Bist dir ohnehin ganz sicher: du willst das hier, mehr noch, bist gemacht worden für die Rolle, die du einnimmst. Kadettin, Staffelführerin, vielleicht Schwarm- oder Geschwaderführerin, wenn dein Weg von Erfolg gekrönt ist. Beißt die Zähne zusammen, atmest tief ein, tief aus - und hast Vertrauen. In dich, in deine Partnerin - ihre halb-durchsichtigen, orangefarbenen Flügel; ihr Feuer, euer Feuer, das unter deinen Fingerspitzen kitzelt. Gibt keinen Feind, den ihr gemeinsam nicht niederbrennen könnt, ![]() Alchemistin
23 Jahre alt
Feine, schwarze Linien schlängeln sich um die Narben an deinem Rücken, deinen Armen - ziehen über deine Hand, bis hin zu den Spitzen deiner Finger. Hast diesem Teil deiner Geschichte eine neue Bedeutung gegeben, akzeptiert, dass die Wunden, die die Klauen des Greifs deiner Mutter dir zufügten, Teil von dir sind. Doch ist anders als damals, als du klein und unbeholfen warst, lässt dich heut nicht mehr von ihnen beherrschen, sondern beherrscht sie; mutig und selbstbewusst und erhobenen Hauptes, wie es sich für eine Yenoris-Frau gehört.
Hast den Stolz, Willen und deine Widerstandsfähigkeit von deiner Mutter geerbt. Anstatt diesen Teil an dir zu hassen, weißt du heute: konntest ihr nur deswegen entgegen treten, weil du bist wie sie; unnachgiebig, zäh. Hast die Pein schweigend ertragen, ihre Strafen, all’ den Druck auf dich genommen, ohne dich zu beschweren. Warst trotz Allem laut, hast dich nicht unterkriegen lassen, die Zähne zusammengebissen. Wurdest nicht zur Bestie, die sie heranziehen wollte. Hast ihr das Voraus - vielleicht ist das der Hauptgrund, aus dem sie dich verabscheut, aber macht nichts, verabscheust deine Mutter ebenso, ohne, dass du dich dafür schämst. Ihre Vision von dir als Fliegerin erstarb am Tag Initiationstag des Jahres 631 vor den Toren des Alchemiequintanten. Bist der eiskalte Engel, den sie erschuf, doch vergräbst deine Hände nicht im Gefieder eines Greifen, sondern die Nase in Büchern über chemische Reaktionen und ihre Auswirkungen. Für alle - außer dich - kam diese Wendung überraschend. Den letzten Brief deiner Mutter, den du vor knapp zwei Jahren erhalten hast, hast du ungelesen verbrannt - und dabei gelächelt. Bist nicht mehr die Alte - und das ist irgendwie gut so. Obwohl du das Mädchen, das hauptsächlich für andere statt seiner selbst stark sein wollte, vermisst, weißt du: es ist in Ordnung. Akzeptierst langsam, dass du nicht die Last der Welt auf den Schultern ertragen musst, dass du nein sagen kannst, ohne, dich schuldig zu fühlen. Dass du nichts von dem, das deinen Schwestern und dir widerfahren ist, zu verantworten hast; dass es nur einen Menschen gibt, dem du verpflichtet bist - dir selbst; auch, wenn du Lileth und Ceres so nah am Herzen trägst, dass sie Teil von dir sind, es immer bleiben werden, komme, was wolle. Dein Leben ist eine Reise, ein Prozess, stehst noch am Anfang - machst zwei Schritte vor, drei Schritte zurück; bist an einem Tag erfüllt von vorsichtiger Zuversicht, am nächsten dem Kern der Erde näher als dem Himmelszelt. Oh, scheiße, warum nur ist das Leben so schwer, warum nur fühlt’s sich an manchen Tagen an als wär’s nicht machbar, du selbst zu sein, nach vorn zu schauen - nur um am nächsten Tag in den Farben des Regenbogens strahlend hell zu glänzen? Weißt zwar den Sonnenschein gerade deswegen zu schätzen, weil du die Unwetter kennst, doch, bei den Göttern, ist genug der Niederschläge. Genug Schmerz für die Spanne eines Lebens. Du lernst, und lernst, und lernst, täglich - nicht nur an der Cliffsbane, sondern im Leben. Lernst, wer du bist, wer du sein kannst, wenn du dich lässt - und dein Gepäck auf dem Weg einfach vergisst. Schau nicht zurück, Eliene. Lass die Kettern hinter dir, die dich binden - leichter gesagt, als getan. ![]() Reiter
22 Jahre alt
Du bist kein schlechter Typ, ganz egal, wie sehr die Welt es dich glauben lassen will. Bist einer dieser Menschen, denen das Schicksal die Scheiße nur so entgegen wirft - und die irgendwie damit zurecht kommen müssen (und es mehr schlecht als recht tun, wenn wir ehrlich sind). Durftest live dabei zusehen, wie deine Eltern bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Hast nach dem Dreschen erfahren, dass es deinen Bruder sein Leben gekostet hat - weil er ‘n verdammter Idiot mit Aggressionsproblemen war, dem seine Existenz noch schlechter bekommen ist als dir. Hast das Mädchen, das du
Hasst den Regen, weil er dich an all’ die stürmischen Tage erinnert, an denen du es dir mit deiner Familie im Wohnzimmer gemütlich gemacht hast; an die Geschichten, die du erzählt bekommen hast. An den Zusammenhalt und die Wärme, die dir vermittelt wurden. Hasst die Sonne, weil du das Gefühl hast, dass es blanker Hohn ist, wie sie am Himmel steht und auf dich herab lächelt. Sich über dich lustig macht. Die Welt ist in Ordnung, gibt Tage, an denen sie sich sogar so anfühlt, fuck, und du willst das nicht, weil du trauern solltest. Erwischt dich manchmal dabei, nicht unglücklich zu sein mit dem Leben, das du führst. Hast Momente, in denen du tatsächlich nach vorn schaust. Mit deiner Staffel lachen kannst, ohne, dass dir das Herz schwer wird. Hast Augenblicke, in denen du dich hier Zuhause fühlst. In denen die Art, mit der deine Denn du hast Gutes verdient. Weil du dein Bestes gibst. Wird von Tag zu Tag besser. Wird leichter, zu existieren, zu akzeptieren. Sind manche Tage ein zwei Schritte vorwärts, drei Schritte zurück, machst du an anderen einen riesigen Sprung. Musst kein Heilkundiger sein, um zu wissen, dass Wunden Zeit benötigen, um gänzlich zuzuwachsen. Ganz weggehen wird die Narbe nie, aber lernst, sie als das zu sehen, was sie ist: eine Erinnerung an etwas, dessen Schmerz in Vergessenheit gerät, in dem du einfach weitermachst. Einfach lebst. ![]() Reiterin
20 Jahre alt
Du bist die Jüngste von Fünf. Das einzige Mädchen. Die kleine Schwester, die Nachzüglerin. Eine Überraschung. Hättest eigentlich nicht sein sollen. Hast das so oft - liebevoll, “als gut gemeinter Scherz” - gehört, dass du irgendwann nicht einmal mehr das müde Lächeln hast aufrecht erhalten können, das vorgibt, sich nicht allzu viel aus einer Aussage wie dieser zu machen. Hättest eigentlich nicht sein sollen und wünscht dir manchmal, du wärst auch nicht geworden - das hätte dir nicht nur die seltsam unangebrachten Sprüche erspart, sondern auch so manch einen Kopfschmerz, den dein Leben mit sich bringt. Sorgen, Ängste, Unsicherheiten, die den Weg unter jedem deiner Schritte pflastern. Gehören zu dir, kannst sie nicht ablegen und weißt nicht, warum - wünscht dir so häufig, deine Brüder würden dir das Geheimnis ihres übergroßen Egos, ihres Ehrgeiz, verraten, doch hast den Versuch, von ihnen ernst genommen zu werden, längst aufgegeben. Bleibst die Kleine, die Unscheinbare - und fragst dich, wie genau sich die Erwartungen, die deine Familie an dich hat, mit diesem Bild vereinbaren lassen.
Beißt die Zähne zusammen, ignorierst den Schmerz in deinem Brustkorb, deinen Knien, blendest das Brennen deiner aufgeschlagenen Fingerknöchel aus. Darfst nicht versagen, nicht schon wieder. Darfst nicht zulassen, dass deine Brüder deine Tränen sehen, nicht schon wieder. Darfst dir keinen blöden Spruch, keinen mitleidigen Blick drücken lassen, nicht schon wieder. Klopfst dir die Hoffnungslosigkeit wie Dreck vom Leder deiner Trainingshose, schluckst dein Versagen hinunter wie bittere Medizin. Die Dinge ändern sich nie, nicht für dich jedenfalls. Während die Welt um dich herum in stetigem Wandel ist, bleibst du stehen. Wirst nicht zurückgelassen, sondern entscheidest dich bewusst dagegen, mitzugehen. Veränderung macht Angst. Kommst schon so nur schwierig klar mit dem, wie’s ist, und noch weniger damit, wie es vielleicht sein könnte. Irgendwann, irgendwie. Irgendwo. Fühlst dich ganz wohl darin, keine Überraschung zu sein. Keine zu erwarten - weil jede Kleinigkeit droht, dich aus den Fugen zu hauen. Dinge wie zu erfahren, dass dein Bruder nicht wirklich dein (ganzer) Bruder ist; oder die Tatsache, dass deine Eltern sich dazu entschlossen haben, ein Separatistenkind in die Familie aufzunehmen, um ein bisschen Ansehen, Wohlwollen (und Geld) abzustauben. Hm. Dafür, dass die Dinge sich nie ändern, tun sie’s überraschend oft, und überraschend oft hast du’s jedes Mal überstanden. Wie auch immer. ![]() Fliegerin
24 Jahre alt
Lehnst dich zurück, beobachtest schweigend das Treiben um dich herum. So viele Menschen. Gehetzte Schritte auf Steinboden, Stimmengewirr, Gerüche und Eindrücke. Gedanken. Für die Großstadt bist du nicht gemacht, vermisst an der Cliffsbane Akademie, an der du direkt nach deinem Abschluss stationiert worden bist, abgesehen von deiner Familie und deinem verloren gegangen, inneren Frieden hauptsächlich eines: die Stille. Vermisst es, die Füße hochzulegen, bei einem heißen Minztee ein gutes Buch genießen zu können, ohne dauerhaft mit einem Auge woanders zu sein.
Dein Leben war ruhig. Verlief in geregelten Bahnen. Würdest deinen Wehrdienst einmal in Form einer Ausbildung zur Historikerin ablegen, Schriften studieren, nicht lang fort sein von dem Frieden, den nur deine Heimat dir bieten kann. Dein Plan war simpel: nach Haugstead zurückkehren, irgendwann einmal die Farm deiner Eltern übernehmen und mit ebenso viel Aufopferung leiten, wie sie es vor dir taten. Würdest da sein, wenn die Krone dich braucht, doch niemals mehr als das. Bis es anders kam. Natürlich. Heute hast du dich daran gewöhnt, dass das Leben nicht kalkulierbar ist. Dass geregelte Bahnen nicht mehr sind als eine Abfolge glücklicher Zufälle, so, wie sich das Gegenteil schier wahllos eintritt. Das Schwert in Zihnals Händen ist zweischneidig, die Anwesenheit von Glück eine Nebenwirkung der Existenz des Pechs, ohne Licht keine Schatten, ohne Schatten kein Licht. Hast deine Lektion auf die harte Art gelernt, durch eine Aneinanderreihung von Missständen, die dich in den letzten Jahren heimsuchten, von Schmerz und Wut und - Lass dich nicht runterziehen. Nicht von dem, was dir widerfahren ist, noch von dem Ausblick auf das Ungewisse. Hast bewiesen, dass du es bezwingen kannst, dort im Flieger:innenquintanten, der dich nicht hat kommen sehen (und du ihn auch nicht). Wurdest ausgebildet für einen Krieg, den du eigentlich nicht führen willst - zu keiner Grenze hin - und bist dennoch verpflichtet fürs Leben. Bereuen tust du nichts, und das, obwohl du in pedantischer Regelmäßigkeit den Blick auf die Vergangenheit richtest. Machst ne Kerbe in den Bettpfosten für jeden Menschen, den du nicht aufhören kannst zu vermissen, und zählst sie wie Schäfchen, wenn du nachts nicht schlafen kannst. Du hast gelernt, was in dir vorgeht zu bewältigen. Lernst es eigentlich noch immer, wirst besser darin, bist fast gut. Der Sturm überkommt dich nur noch selten - und wenn, dann hast du ein Paar Flügel unter dir, das dich schier mühelos hindurch trägt. ![]() Flieger
21 Jahre alt
Du lächelst. Schwach, vorsichtig, es erreicht deine Augen nicht, aber: sie sind da, die leicht angezogenen Mundwinkel, die Kanten deiner längst nicht mehr weißen Schneidezähne. Hast früh gelernt, dass Einstellung das halbe Leben ist; dass du den Kopf zwar in den Sand stecken, dich vergraben kannst, aber es kaum Sinn ergibt für den Weg, der sich ohne ertragbare Alternative vor dir dir erstreckt: Überleben. Fällst mal hin, nimmst mal zwei Hürden gleichzeitig mit Leichtigkeit. Legst dich auf die Nase, klopfst dir den Dreck von den blutigen Knien und läufst weiter. Du hast es immer geschafft, egal wie, irgendwie - und bist vielleicht nicht zufrieden mit der Route, die das Schicksal für dich wählte, aber musst ja doch hinnehmen, dass du als kleines Zahnrad im System deiner Existenz die Zügel nicht selbst in der Hand hast. Und das tust du, (fast) jeden Tag. Nicht immer aus voller Überzeugung, nicht immer mit der Kraft, die du dir wünscht, aber geklappt hat‘s immer. Schaffst es jeden Tag erneut, dich nur mithilfe kleiner Funken Hoffnung erneut in Brand zu stecken, den Ofen anzufeuern, die graue Rußschicht einfach wegzublasen.
Du gibst dir Mühe, egal, wie schwer es an manchen Tagen sein kann. Bist längst noch nicht da angekommen, wo du sein möchtest - wünscht dir Wärme, Zufriedenheit, irgendwann einmal ein Zuhause, das dich fühlen lässt, wovon Menschen in Büchern schreiben, in wehmutsbehafteten Geschichten erzählen. Ist schwierig, dein Leben zu bestreiten - und es wird nicht leichter. Da steckt eine Herausforderung hinter jedem dunklen Winkel der Straßen der Stadt, die du zu lang deine Heimat nanntest, ohne, dass sie eine andere war. Da ist Schmerz in so vielen Worten, so vielen Erinnerungen, dass du nicht immer weißt, wo du anfangen, wie du aufhören sollst. Du hast ganz schön viel erlebt. Himmel, Hölle. Aber: noch stehst du hier, auf zwei gesunden Beinen. Du hast‘s geschafft, immer, egal wie, irgendwie - das zählt. Da ist diese Wut in dir. Ein Teil, den du hasst. Wut auf die Welt, Wut, auf deine Eltern. Sie brodelt unter deiner Haut, wartet nur darauf, ihr grässliches Feuer zu speien und das Wenige, das du liebst, woran du festhältst, in Schutt und Asche zu legen. Oh, Ajax. Ganz gleich, wie sehr du auch versuchst, dich zu ändern - bleibst am Ende ja doch nur der kleine Junge aus dem siffigen Vorort einer wohlhabenden Vorstadt, bleibst der Typ mit dem cholerischen Dad, der apathischen Mum. Akzeptierst so viel, aber nicht alles: die Haut, in der du steckst, deine Schwächen, deine Fehler, die Geschichte, die von deinen Narben und dem Dreck in deinem Gesicht erzählt wird. Kannst nicht leugnen, wer du bist, egal, wie sehr du‘s auch willst - und auch nicht, dass du nicht immer weißt, wie die Kontrolle funktioniert, die du mit aller Macht über dein Leben zu erlangen versuchst. Ganz ehrlich, nur unter uns, wir können‘s doch zugeben: du kommst nicht klar, nicht allein jedenfalls. Bist darauf angewiesen, dass andere dir ihre helfenden Hände reichen. Nicht wortwörtlich, aber metaphorisch - bist nichts ohne deine mentalen Stützen, bist immer am Rande der Explosion, ohne jemanden, der dein Feuer erstickt. Du reichst nicht aus. Nicht einmal für dich selbst. Was für eine beschissene Erkenntnis. ![]() Reiterin
31 Jahre alt
Ungestüm rasen drei Paar Kinderfüße über die Holzdielen des kleinen aber gemütlichen Wohnhauses der Familie Wallace in Samara. Warst die laute, die wilde. Die, die sich nichts sagen ließ. Die, deren Namen im scharfen, strengen Ton über die Lippen ihrer Eltern kam, weil sie's für nötig hielten, deinen Tatendrang zu zügeln. Bist das älteste Geschwisterkind, das Vorbild. Diejenige, an der die anderen sich orientieren werden, ein Leitbild, und solltest mit gutem Beispiel voran gehen. Hast viele Jahre weder verstanden, was das bedeuten sollte, noch irgendetwas von den Pflichten, die deine Eltern dir auferlegten, ernst genommen. Rein zum einen Ohr, raus zum anderen. Hattest deinen eigenen Kopf, eine sehr genaue Vorstellung davon, wie du dir das Leben vorstellst - bist nicht die Erwachsene, nicht die Vernünftige. Hast dir schon damals trotz mehrfacher Warnung die Splitter in die Füße gehauen und die Knie aufgeschlagen, bist das Risiko eingegangen. Hast dich als dumm und unbelehrbar bezeichnen lassen, obwohl's schon immer Mut und Entschlossenheit waren, die in deiner Brust brüllten, stolz wie ein Löwe.
Hast deinen Willen nie brechen lassen von sinnlosen Ansprüchen - deine Eltern haben schnell gelernt, dass das Feuer in deinem Inneren nur schwer zu zähmen ist. Sie haben dich sein lassen, wer du bist. Immerhin in einer Sache wurdet ihr euch früh einig: eine Persönlichkeit wie deine würde in den Reiterquadranten gehören. Dass deine Eltern diese Zukunft auch für deine Geschwister sahen - und es nicht wirklich etwas persönliches, kein individuelles Kompliment an deine Fähigkeiten, war - wusstest du oft genug zu ignorieren. Hast ihre Erwartungen als Stolz gedeutet und alles dafür getan, irgendwann einmal erfolgreich über den Viadukt zu balancieren und drei Jahre harte Ausbildung zu überstehen, um auf dem Rücken eines Drachen die Wolken zu teilen. Hast dich den Wünschen und Erwartungen deiner Eltern bereitwillig gebeugt, weil sie mal nicht dem widersprachen, wer du warst. Hast - gefühlt - zwanzig Jahre deines Lebens mit Warten verbracht, hast die Aussicht auf das Basgiath War College als Motivation gesehen, als Antrieb - hattet nie das Geld, nie die Möglichkeiten für professionelles Training, aber hast alle Möglichkeiten genutzt, bis es endlich soweit war. Seren Wallace. Eine von vielen Kadett:innen aus gewöhnlichen Kreisen, ohne besondere, militärische Vergangenheit. Reine Weste, kein Name, mit dem man irgendetwas verbindet - war ein guter Start für dich; bist aus den Schatten ins Rampenlicht getreten und hast alle überrascht. Wurdest von einem Niemand zu jemandem. Hast dich endlich gesehen gefühlt in deinem Tatendrang, in dem Sturm, der in dir tobte, in all' der Energie, die jahrelang unverstanden blieb. Basgiath wurde der Anfang von Etwas, das eine strahlende Karriere am Himmel werden könnte - war dir von Anfang an bewusst, doch anstelle von Druck war's eher ein konstantes Gefühl der Aufregung, das dich in deinen drei Jahren Ausbildung begleitete. Damals, als du noch nicht wusstest, dass aus werden könnte einmal hätte sein können werden würde; als du nicht nur Hoffnung hattest, sondern eine klare Aussicht direkt voraus. Unangenehm pocht es hinter deiner Stirn, wenn du versuchst, nach Fragmenten deines Lebens zu greifen, die längst in der Vergangenheit liegen. Es ist vorbei. Der Anblick im Spiegel ist ungewohnt. Allen, die dich kennen, steht die Verwirrung in den ersten Sekunden deutlich ins Gesicht geschrieben, bevor ein schräges Lächeln das Weg auf und ein "steht dir" den Weg über ihre Lippen findet. Dein Inneres spiegel dein Äußeres wider: radikale Veränderung ist es, was du durchgemacht hast, radikale Veränderung ist, was auch die Anderen sehen sollen. Bist nicht mehr die Seren von Früher. Dein langes, brünettes Haar ist gewichen. War im Weg, trug zu viel der Geschichte mit sich herum, mit der es dir schwer fällt, zu leben. Die Strähnen kitzeln nicht länger deinen Rücken; gehen dir nur noch bis knapp über die Schultern. Dunkles, fades Braun weicht strahlendem Wasserstoffblond. War eine dieser Nacht und Nebel-Aktionen, die niemand hinterfragt. Auch du selbst nicht. Hast dir selbst auch im Nachgang nicht die Gelegenheit gegeben, zu hinterfragen, ob's dir steht. Ist dein neues Ich. Konntest dir in vielerlei Hinsicht nicht aussuchen, wer du bist, kannst nicht zurück. Auch bei dieser, der am bisher wenigsten verhängnisvollen, Entscheidung nicht. Klingt endgültig, doch bist deiner neuen Erscheinung nicht hilflos ausgesetzt - gibt einen großen, bedeutenden Unterschied: hast sie, wenn auch nicht in vollem Bewusstsein, für dich selbst getroffen. ![]() Reiterin
21 Jahre alt
Eiskaltes Wasser erreicht deine nackten Füße - doch du fühlst nichts; nur Leere, die dich erdrückt. Ein Stück von dir fehlt, wurde dir entrissen. Die Stimme deines Vater verblasst weiter mit jedem Tag, den du ohne ihn erlebst. Erinnerst dich nicht mehr an die Wärme seiner Umarmungen, immer weniger an sein Lächeln. Hast es zuletzt kaum noch zu schätzen gewusst, wenn er dich aus seinen großen Augen heraus angeschaut hat, wenn du aus der Schule kamst. Alles wollte er wissen. Wie dein Tag war, was du erlebt hast. Welche Lehrkräfte dir so richtig auf die Nerven gegangen sind; welche sinnlosen Lektionen du hast lernen müssen. Hast dich an den Esstisch gesetzt, mit den Schultern gezuckt, wolltest deine Ruhe haben - schnell hinunter schlingen, was deine Mutter dir vorsetzte, dann aufstehen, geradezu fliehen von Zuhause, hin zu deinem Freund. Hast dich zu alt und cool gefühlt, um dich von ihm aufhalten zu lassen, irgendwann mal, wenn du Zeit hast, kannst du’s ihm erzählen.
Irgendwann mal ist jetzt. Du hast Zeit; nichts anderes zu tun, als sinnlos an den Horizont zu starren und die Wellen zu zählen, die das Smaragdmeer schlägt. Nichts anderes zu tun, weil du gefallen bist, tief, hinein in das Loch, das er mit seinem plötzlichen Tod hinterließ. Zerdenkst all’ die Worte, all’ die Geschichten, die du ihm hättest erzählen können, erinnerst dich an jedes einzelne genervte Augenrollen, das du ihm stattdessen geschenkt hast. Du hast dich verändert, lächelst deutlich weniger, bist nicht mehr der blonde, süße Engel - gibt Tage, an denen steht das Eis in deinen Augen der Kälte des Meeres um nichts nach. Hast deinen Freundeskreis dezimiert, bist kaum noch greifbar - hast dich neu ausgerichtet. Die Frage muss ich mir Sorgen um dich machen? hast du nicht nur einmal gehört, von unterschiedlichen Personen, antwortest immer das Gleiche: Du hast das erste Jahr am Basgiath War College überlebt. Läufst selbstbewusst durch die Gänge und Hallen, reckst das Kinn und trotzt all’ den Statistiken, die gegen dich sprechen. Hast die Flügel eines mächtigen grünen Drachen im Rücken und nicht nur das Vertrauen deines Freundes, sondern einer ganzen Staffel. Hast hier Mut und Zusammenhalt gelernt, deine Persönlichkeit gefestigt. Hast dich nie in den Reihen der Reiterinnen gesehen; nie hoch oben in den Lüften, mit Flugleder und -brille. Heute fühlt sich alles richtig an, gut, alternativlos. Machst dich stolz, bist wieder fähig, mehr zu fühlen als das elende Nichts - endlich, nach all’ den Jahren. ![]() Reiter
51 Jahre alt
Staffelführer. Schwarmführer. Geschwaderführer - all‘ dein Potenzial verschwendet. Bist in all‘ den Jahren nichts davon geworden, schaust in den Spiegel und siehst einen Mann, der stets nur hätte sein können, aber nichts und niemand geworden ist. Fristest dein Leben heute als Lehrkraft innerhalb der Mauern deiner ehemaligen Ausbildungsstätte, siehst angehenden Reiter:innen tagtäglich dabei zu, wie sie mit ihren faulen Ärschen von den Rücken ihrer Drachen gleiten, als versuchten sie sich nicht an den einfachsten Manövern, die das kleine Einmaleins des Luftkampfs zu bieten hat. Es mag so klingen, aber bist nicht frustriert. Hast deinen Job lieben gelernt. Das hoffnungsvolle Glänzen in den Augen der Rookies, das tägliche Ratespiel, welche deiner Kadett:innen, wie du sie mit einem Augenzwinkern nennst, wohl heute auf der Liste derer stehen, die keinen Fuß mehr auf das Flugfeld, keinen Fuß mehr irgendwohin setzen. Erkennst dich selbst in der geballten Arroganz des Haufen Jungspunde, die ihr Gefieder spreizen und tiefer fallen, als die Götter sie aufzufangen bereit sind. Oh, du bist nicht gehässig. Lässt dich nicht gern davon betrüben, das nächste Talent bei Malek zu wissen - und lässt dich doch allzu gern mitreißen von der lebhaften Erinnerung daran, wie es war, selbst einer von ihnen zu sein. Jung und dumm und kopf- und ahnungslos.
Böse Zungen (die, deiner Niemand-Weiß-Warum-Eigentlich-Nicht-Ex-Frau, zum Beispiel) behaupten, du wärst all‘ das noch immer… fast - hast Falten gesammelt wie andere Abzeichen an ihren Uniformen. An deiner eigenen sind sie ausgeblieben, die wirklich wichtigen jedenfalls, solche, die etwas bedeuten. Dein Wankelmut, deine Leichtfertigkeit und deine gedankenlosen Entscheidungen - eine Kombination, die dich zum coolen, lockeren Typen macht, qualifiziert dich nicht für den Lebensweg, der dem talentierten Maverick vorausgesagt wurde. Kannst noch so überlegen sein auf dem Rücken deines Drachen, jeden Umständen trotzen, wenn du nicht dazu im Stande bist, einen kühlen Kopf zu wahren, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Siehst mittlerweile ein, dass dich das nicht mehr an die Spitze einer militärischen Einheit bringen wird, aber hast auch über dich gelernt, dass anderes dir wichtiger ist. Deine Freiheit, deine Lebensfreude. Und die Möglichkeit, die Dinge auf die leichte(re) Schulter nehmen zu können. Der Ring an deinem Finger - nur die Götter wissen, warum genau du ihn noch trägst; vermeidest den Blick auf die Hand deiner Frau, denn du fürchtest, dass sie es nicht mehr tut (zurecht) - steht für das kleine Bisschen Beständigkeit, das du einzugehen bereit warst. Nicht einmal eine Handvoll Jahre später konntest du auch diese Verbindlichkeit nicht einhalten, egal, wie sehr du dir geschworen hast, es zu versuchen. Bist zurück gekehrt zu dem Leben, das besser zu dir passt: keine Versprechen, keine Bindung; ohne Käfig, ohne Hände, die dich zähmen wollen. ![]() Infanterie
21 Jahre alt
Zielsicher ist der Griff, mit dem du dir durch das hellblonde Haar fährst; nach seinen Strähnen greifst - und sie in pedantischer Genauigkeit zu einem Zopf flechtest. Ist früh, viel zu früh, doch du bist wach; du bist da, trägst das Abzeichen der Staffelführerin mit Stolz an deiner dunkelblauen Uniform. Du musst keinen Drachen reiten, um zu wissen, wer du bist; was du willst vom Leben. Du fühlst dich so angekommen wie selten im Leben, hier in Basgiath, hier im Junior-Jahr, nach den harten Prüfungen, die deine Ausbildung bisher für dich und deine Kamerad:innen bereit hielt. Beweist jeden Tag, dass Lady und Infanteristin keine Gegenteile sind, sondern so gut miteinander vereinbar, dass es fast aussieht wie ein Kinderspiel, wenn du beides bist. Hast dir dein Haar nicht abrasiert, läufst in deiner Freiheit weiter auf Schuhen mit Absätzen, die töten könnten, wenn’s Hart auf Hart kommt. Kannst deine Nägel im Kampf nutzen und murrst trotzdem nur selten, wenn einer von ihnen abbricht. Weinst nur, wenn’s sein muss, und dann höchstens hinter den verschlossenen Türen einer Toilettenkabine. Weil Schwach sein anders aussieht; nicht wie du; nicht wie eine Aldridge-Tochter.
Du machst Eindruck. Sehr viel mehr und gewaltvoller, als deine Körpergröße es anmuten ließe. Sie ist deine größte Schwäche und Stärke zugleich - bist nur Dank deines Namen überhaupt in den Quadranten der Infanterie gekommen, unter belustigtem Grinsen und schnalzender Zunge. Fällst heute trotz des offensichtlichen Nachteils durch keine Prüfung, widersetzt dich der Logik, du könntest weniger, nichts reißen - und trägst das Abzeichen der Staffelführerin mit so viel Stolz an deiner Uniform, dass deine Erscheinung unübersehbar hell durch den Quadranten strahlt. Würde andere stolz machen, den Zweifeln zu trotzdem, doch du hasst es, das Obwohl und Trotzdem, den überraschten, dann anerkennenden Blick auf deinen Rang. Wärst lieber nur talentiert anstatt talentiert, trotz - kennst keinen anderen, der reduziert wird wie du, und dich macht’s nicht stolz, gut zu sein, für dich fühlt‘s sich ungemütlich an, als würd‘ der Schuh nicht richtig sitzen. Als könnte, dürfte er das nicht. |