
Statistiken30.07.2026 Registriert am 25.08.2026 Zuletzt online 16.08.2026 Letzter Beitrag 0 Inplayzitate 6 Inplay-Posts 2 Szenen insgesamt 21141 Geschriebene Zeichen 3524 Zeichendurchschnitt Charaktere von NataschaReiterin
29 Jahre alt
Einatmen, langsam ausatmen, Luft anhalten. Die Momente, die zwischen zwei Herzschläge passen, können eine Ewigkeit dauern.
Eigentlich sollten die von der Großmutter mitgegebenen Weisheiten, einen später im Leben wiederfinden. Sie sollten einen überraschend treffen und nachdenklich-melancholisch lächelnd an all diese Momente zurückdenken lassen. Die, die flüchtig scheinen, weil sie zwischen zwei Herzschläge passen. Die aber doch alles verändert haben. Odine trägt einen dieser Momente mit sich. Jetzt schon. Zu früh. Sie schaut nicht lächelnd darauf zurück, ihr Blick wird vernebelt von Träumen, die die Grenze zwischen Wachen und Schlafen verschwimmen lassen. Ein riskanter Einsatz, ein Manöver zu viel, einen Augenblick zu lang gezögert und ein fataler Moment der Unachtsamkeit - der Verrat an ihrem Bruder. Für Odine war das Leben die meiste Zeit eine ziemlich klare Sache. Sie war schon immer ein Mensch, bei dem man weiß, woran man ist. Das für alles und jeden offene Herz trug sie auf der Zunge und für ambivalente Charakterzüge gab es schlichtweg keinen Anlass. Im ländlichen Tyrrendor, in den wohlhabenden, aber einfachen Verhältnissen, in denen sie aufwuchs, entwickelt sich kein Charakter, der auf jede Art der Intrige vorbereitet sein muss. Man muss sich aufeinander verlassen können, gerade wenn man nur einen schweren Sturm davon entfernt ist, eine Ernte zu verlieren und der Lauf des Jahres damit besiegelt wäre. Man ist grundehrlich, man vertraut auf das Gute in dieser Welt - eine Eigenschaft, die gerne als einfältig abgetan wird, aber tatsächlich zutiefst weise ist. Später in ihrer Ausbildung zur Reiterin hat sie gemerkt, dass sie in dieser Hinsicht vermutlich etwas “einfacher” gestrickt ist, als andere. Das falsche Spiel, die Klinge hinter dem Rücken stets bereitzuhalten, selbst das nicht durch und durch heroische Wesen des Militärs musste sie wohl oder übel lernen, wenn auch zähneknirschend und nicht ohne einen gewissen Spott im Hinterkopf. Umso verwunderlicher die Siegelkraft, die sich in ihr manifestierte - nicht nur für sie. Wahnsinn in die Köpfe der Menschen zu pflanzen, wollte doch so gar nicht zu Odine passen. Aber vielleicht war das ein bisschen der Punkt in dem großen Plan, den das Leben bereit hielt. Seit dem Unfall begleiten sie Ambivalenzen und Widersprüche wie lästige Schatten. Seitdem sie mit ansah, wie sich Caleb lachend ein Messer ins Auge rammte und stürzte. In den Wahnsinn, in den Tod…? Da ist eine große Leere und mittendrin doch ein Neuanfang: mit der Versetzung ans Basgiath War College ist sie nicht nur damit gestraft, wieder in den Fluren zu wandeln, in denen sie eins mit Caleb umherlief, als sie zwei Jahrgänge voneinander entfernt waren und sich doch gemeinsam durch die harte Ausbildung prügelten. Da ist auch noch der große Held ihrer Kindheit, ihr leiblicher Vater Maverick und die Möglichkeit, ihn endlich besser kennenzulernen. Sie unterrichtet Flugkunde, obwohl sie doch genau dort, hoch oben in den Lüften, im entscheidenden Moment versagt hat. Weiteratmen. Reiter
23 Jahre alt
Beweisen müssen sich immer nur die Schwachen.
Und genau deswegen musste er sich nie beweisen. Alles, was Perseus infrage stellen könnte, prallt ganz einfach an seinem überbordenden Ego ab. Musste er überhaupt jemals einen Finger krumm machen oder fliegt ihm diese ganze Großartigkeit einfach so zu? Scheint einfach zu sein, sich im Licht einer der größten Reiter:innenfamilien des Königreichs sonnen zu können. Von selbstsicheren Schritten getragen und in den Augen immer eine leise Belustigung - als wüsste er mehr als sein Gegenüber. Mindestens aber, dass er ganz einfach besser ist. Und dennoch… Kaum etwas hätte größeren Druck auf einen kleinen, hitzköpfigen Jungen ausüben können, als diese wenigen Worte. Sie sind Leitspruch, Mahnung, der grauenhafte Traum, aus dem man mitten in der Nacht aufwacht. Immer dann allzu präsent, schmerzhaft eingraviert in den Vordergrund seines Bewusstseins, wenn er es mal wieder nicht schafft, nach ihnen zu leben. Denn manchmal kommt dieser Junge noch durch. In der Art, wie er hier und da die Klappe nicht halten kann, obwohl es doch besser wäre, sich auf die Zunge zu beißen. Oder wenn ihm in Momenten der Wut plötzlich Tränen in die Augen steigen. Und Perseus verflucht diesen Jungen, weil er doch so gar nicht ins Bild passen will, das er nach außen hin abgibt. Kein Befehl, den er missachtet, immer mit klarem Kopf bei der Sache, keine unnötigen moralischen Bedenken - der vermeintlich perfekte Soldat. “Du bist manchmal irgendwie unheimlich.” sagte einst jemand zu ihm, in den er insgeheim verliebt war. Bis heute weiß Perseus nicht, was genau er damit gemeint haben könnte. Eine klare Vision von der Zukunft und der Macht, die man sich aufbauen, sowie die Leichen, über die man dafür bereitwillig steigen würde - ganz ruhig und klar vorgetragen wie ein Kochrezept - schien den Horizont eines normalen 14-jährigen zu übersteigen. Nicht jedoch den von Perseus und daher hat er sich von der Vorstellung verabschiedet, dass “normale” Menschen ihn jemals verstehen, geschweige denn das Wasser reichen könnten. Das macht einen Charakter auf Dauer nicht gerade einfacher, aber immerhin hatte er zu jeder Zeit Gleichgesinnte, die ähnlich tickten wie er. Es störe ihn nicht, behauptet er großspurig und doch trifft es jedes Mal einen seltsam wunden Punkt, wenn ihm Bewunderung verwehrt bleibt oder wenn er merkt, dass jemand ihn nicht mag. Dabei sollte ihn ja viel mehr das große Ganze interessieren. Sein Platz in dieser Welt - in den vordersten Reihen, herausgetreten aus den Schatten viel größerer Soleils. Es gibt nur das Streben, dieses ewige Streben und die Selbstaufgabe für die Familie, vor der man sich ja doch irgendwie immer wieder aufs Neue beweisen muss. |