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Familie - Eine Einheit, das ist, was deine Eltern predigen, nicht müde werden zu wiederholen - Zusammenhalt, Stärke, Tradition. Werte, die dir förmlich in die Wiege gelegt werden und an denen du dich selbst heute, so viele Jahre später, noch immer orientierst. Zeigst dich mit einem warmen Lächeln, voller Tatendrang, mutig, entschlossen, unerbittlich, hältst die Fassade des Herzogs aufrecht, koste es, was es wolle. Hinter geschlossenen Türen scheinst du dagegen viel zu selten dein eigenes Temperament kontrollieren zu können, wirkst oft fahrig, impulsiv und Widerspruch, den duldest du nicht. Willst die Fäden selbst in der Hand halten, Kontrolle ausüben, kannst anderen keine Entscheidungen überlassen, nicht einmal deiner Familie.
Fühlst dich vielleicht genau deshalb manchmal von ihnen entfremdet, kannst nicht zu deinen Kindern durchdringen, erziehst sie mit Härte, anstatt mit unerschöpflicher Liebe. Deinen Sohn, den Thronerben; deine Tochter, ein Wirbelsturm, die dir genauso viel Kopfzerbrechen bereitet wie deine jüngste Schwester. Ist so viel, dass irgendwann auch auf ihren Schultern lasten wird, die Verantwortung für ein ganzes Volk, für Calldyr, willst sie darauf vorbereiten und schießt damit doch nicht selten über das eigentliche Ziel hinaus. Hast dir immer vorgenommen, es selbst besser zu machen, anders, würdest ganze Städte für sie vernichten, aber bedingungslos, das ist deine Liebe nicht. Ohnehin ist es dieses Gefühl, das in dir nur selten die Oberhand gewinnt, dich manchmal ratlos zurücklässt und dich daran zweifeln lässt, ob du überhaupt dazu fähig bist, Liebe zu empfinden. Für deine Familie, deine Kinder, aber darüber hinaus?
Pflicht - Hast noch nie geliebt, nicht richtig. Deine erste Ehe arrangiert, gleich nach dem Abschluss in Basgiath, so wie es sich für den Thronerben von Calldyr gehört. Hast sie gemocht, die Mutter deiner Kinder, Zuneigung verspürt, aber Liebe, weißt bis heute nicht, ob es das war, was du für sie empfandest, selbst als du dich noch Jahre nach ihrem Tod einer weiteren Ehe verweigertest. Jetzt ist da eine neue Frau an deiner Seite, die Herzogin, wie du sie nennst, mit einem schmalen, leicht spöttischen Lächeln, schimpfst sie Hexe in deinen Gedanken, Asterin Caelithis, an die dein Schwur dich bindet. Verabscheust sie mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht und hältst sie doch fest in deinem Arm, wann immer ihr euch gemeinsam der Öffentlichkeit präsentierst. Ist, als hättest du dem Feind Tür und Tor geöffnet, jedes eurer seltenen Gespräche ein stetiger Kampf um die Oberhand.
Der Schwur bindet dich an sie, aber auch die Pflicht. Liegt in deiner Verantwortung, das Richtige zu tun, Verbündete zu gewinnen, Allianzen zu schmieden – selbst wenn dein eigenes Wohl dabei auf der Strecke bleibt. Weißt, was der Titel mit sich bringt, hast dich nie davor gesträubt, nicht einmal in jungen Jahren, als der Rang noch deinem Vater gehörte, hast immer alles getan, um ihn zufriedenzustellen, deine Pflicht zu erfüllen. Die Thronfolge gesichert, eine Frau geheiratet, an der dir nichts liegt, vielleicht ist es also deine ganz eigene Form der Rebellion, das, was du für dich selbst tust, wenn du jeden Abend, in aller Stille, Kräuter zu dir nimmst, die eine Schwangerschaft verhindern. Hältst deinen Sohn für eine gute Wahl, willst ihn als deinen Nachfolger, nicht ein gemeinsames Kind mit deiner Ehefrau. Kannst sie nicht einschätzen, traust ihr nicht über den Weg und vielleicht fragst du dich in manchen stillen Momenten, ob sie nicht längst ihre eigenen Pläne schmiedet, um dich aus dem Weg zu räumen, um nach der Macht zu greifen, ihr Kind auf den Thron von Calldyr zu setzen.
Ehre - Dein eigener Stolz scheint schon immer dein Schwachpunkt zu sein. Reagierst empfindlich auf Kritik, hörst sie dir nur von deinen engsten Berater:innen an und selbst bei ihnen fällt es dir schwer, zu akzeptieren, wenn sie dir vorhalten, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Hast hohe Moralvorstellungen und doch fühlen auch sie sich immer mehr wie eine Bürde an. Krieg, der an den Grenzen Navarres wütet; gefährliche Wahrheiten, die du deinem Volk vorenthältst; eine Bedrohung, vor der du nicht alle schützen können wirst. Jeder Kompromiss, jede politische Entscheidung, nagt an dir, hinterlässt Risse in einer Fassade, die du in allen den Jahren so sorgfältig errichtet hast, lässt Zweifel zu, Unsicherheiten. Darfst nicht straucheln, musst Stärke verkörpern, für euer aller Wohl, hältst dich an ihr fest, an der Moral, weil diesen Vorstellungen fest, weil sie alles sind, was dich noch von denen unterscheidet, die ihre Ehre und ihren Stolz längst für die Macht geopfert haben.
Als Erstgeborene schien dein Weg schon immer mit besonderen Hindernissen gepflastert zu sein. Anfangs war es die pure Enttäuschung deiner Mutter, die sich so sehnlichst einen männlichen Nachkommen gewünscht hatte — so sehr, dass sie in Tränen ausbrach, als deine Haare zu wachsen begannen und sie darauf bestand, sie kurz zu halten. Danach waren es die schier grenzenlosen Erwartungen deines Vaters, die dich fortan auf Trab hielten. Als Kind hast du dir stets gewünscht, genug zu sein. Stark genug. Schnell genug. Ausdauernd genug. Gut genug.
Du wurdest früh an das Training herangeführt, das dich auf deine Ausbildung am Basgiath War College vorbereiten sollte. Immerhin hattest du große Fußstapfen zu füllen. Sowohl dein Vater als auch deine Mutter waren angesehene Drachenreiter, hatten sich einen Namen gemacht, der nicht nur mit Ehre, sondern auch mit Blut getränkt war. Ein Vermächtnis, das es fortzuführen galt. Dein Weg war dir von Anfang an vorherbestimmt: Du würdest dem Reiterquadranten beitreten, die anspruchsvolle und nicht selten tödliche Ausbildung absolvieren, nur um dich am Ende als eine von vielen auf dem jahrhundertealten Schlachtfeld eines Krieges wiederzufinden, in dem du früher oder später sterben würdest. Keine vielversprechende Aussicht, doch dein Training hast du stets ernst genommen. Weniger als einhundert Prozent zu geben, war Grund genug für Bestrafungen.
Du bist das Produkt deines Vaters. Sein Stolz auf dich fußt allein auf Errungenschaften, die er sich selbst zuschreibt. Er ist stolz auf das, was er aus dir gemacht hat. Jede Narbe an deinem Körper erinnert an seine harte, disziplinarische Erziehung, die ihresgleichen sucht. Mehr als einmal hat er dir die Knochen gebrochen, dir mittels Gewalt verständlich gemacht, dass es in dieser Welt keinen Platz für Drückeberger gibt. Standfestigkeit, das ist es, was von dir erwartet wird. Und genau das ist es, was du lieferst. Du knickst nicht ein, du gibst nicht nach. Selbst dann nicht, wenn die Schmerzen dich in die Knie zwingen und du nichts sehnlicher tun würdest, als zu schreien. Vermutlich ist es allein deinem Training zu verdanken, dass du Basgiath mehr oder weniger unbeschadet überstanden hast. Doch gegen das, was dich nach deiner Ausbildung erwarten sollte, konnte dich nicht einmal dein Vater wappnen.
Nur ein Jahr, nachdem du deine Ausbildung abgeschlossen hast, wirst du vollkommen grundlos mit der tyrrischen Rebellion in Verbindung gebracht. Man beschuldigt dich, Informationen zu besitzen, Dinge zu wissen, von denen du nicht die geringste Ahnung hast. Du kannst dir selbst nicht erklären, wer solche Fehlinformationen über dich in Umlauf gebracht hat, doch schneller, als du es begreifen kannst, siehst du dich mit den Konsequenzen konfrontiert. Wochenlange Folter soll dich zum Reden zwingen. Siegelkräfte, die Schmerzen und Wahnsinn heraufbeschwören, gehen an dir nicht spurlos vorüber. Spätestens an diesem Punkt versagt dein jahrelanges Training. Dein Körper hält ein gewisses Maß an Schmerzen aus, doch deine Psyche ist ein wunder Punkt. Schon vor deiner Zeit in Basgiath hast du unter der unbarmherzigen Erziehung deiner Eltern gelitten, bist mit fortschreitendem Alter immer näher an die Grenze eines labilen Zustands balanciert, doch nun stößt man dich mit Gewalt direkt in den Abgrund. Chaos frisst sich durch deinen Geist, verwischt die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Wahnsinn. Als man endlich einsieht, dass du keine Verbindung zu den Anführern der Rebellion hast, wirst du entlassen. Doch die Frau, die sich nach wie vor artig den Befehlen ihrer Vorgesetzten beugt — immerhin ist es das, wofür du atmest — ist nun eine andere. Die Schmerzen sind das eine. Der Wahnsinn das andere.
Du wirst zur lebendigen Verkörperung von Chaos und innerem Zerfall — eine gequälte Seele, gefangen in einem Körper, der nie zur Ruhe kommt. Du pendelst unentwegt zwischen manischer Euphorie und abgrundtiefer Verzweiflung, mit einem Fuß in der Realität, mit dem anderen im Wahnsinn, der dich besonders in ruhigen Augenblicken verschlingt. Dein Geist ist ein Schlachtfeld, zerrissen zwischen Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der unentrinnbaren Gewissheit, dass dir genau das niemals vergönnt sein wird. Denn du bist inzwischen nicht nur eine Gefahr für dich selbst, sondern auch für andere. Nach außen hin verkörperst du pure Energie, die fast schon mit Hyperaktivität gleichzusetzen ist. Doch es ist keine bloße Lebensfreude, die aus dir spricht. Es ist ein fieberhafter Zwang, dich selbst zu betäuben, den Lärm in deinem Kopf mit noch größerem Lärm zu übertönen. Werden die Gedanken zu laut, dann neigst du dazu, dich zu vergessen. Du lachst, wenn du weinen solltest. Schnappst zu, wenn du umarmen willst. Zerstörst, wenn du helfen möchtest. Deine impulsiven Handlungen sind oft ein verzweifelter Versuch, die Kontrolle zu behalten. Eine Kontrolle, die dir immer wieder entgleitet. Doch ganz egal, wie laut du auch wirst: Die Stimmen in deinem Kopf verstummen nie ganz.
Depressionen sind ein treuer Begleiter geworden, auch wenn du sie hinter exzentrischen Gesten und einem breiten, herausfordernden Grinsen versteckst. In stillen Momenten, die dank der tosenden Gedanken nie wirklich still sind, wächst der Selbsthass, die Verzweiflung — zitternde Finger, ein leerer Blick und ein Herz, das viel zu viel fühlt, ohne ein Ventil zu finden. Mit Gefühlen umzugehen, fiel dir schon immer schwer. Doch heutzutage ist es schwerer denn je. Die undurchdringlich scheinende Mauer aus Hass, Hohn, Spott und Verachtung ist nicht das Produkt bloßer Bosheit. Sie ist das Echo einer tiefsitzenden, niemals verheilenden Wunde. Und im Zentrum dieses inneren Chaos bist du nun zu Hause. Eine Bedrohung für andere und dein eigenes größtes Opfer.