reisende:r
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the empyrean
Spanne meine Muskeln schon wieder an, balle meine Hände zu Fäusten und schaffe es trotzdem, dem Drang zu widerstehen, ihr direkt noch eine reinzuhauen. Artikel Jeawillnichtnachgucken.
Lyall Gatlin

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Reiterin
30 Jahre alt
"I fought for my country. I fought for glory. Was a time I would have said I fought for honor."
Was würdest du tun, wenn du herausfindest, dass die Führung, der du Loyalität geschworen hast, nicht mehr sind als dreckige Lügner? Sie den Krieg, der seit Jahrhunderten tobt, aus reinem Eigennutz am Leben halten? Dass das Land, für das du dein Leben geopfert hättest, der eigentliche Feind ist, und du niemandem mehr trauen kannst? Making the fuck sure the bastards pay! Und ja, offiziell bin ich dadurch nun eine dreckige Verräterin, eine Schande, ein Feigling, sucht's euch aus. Aber scheiß drauf. Eine Krone, die ihr Volk belügt und für die eigenen Zwecke missbraucht, hat meine Loyalität ganz sicher nicht verdient. Die Führung dieses Landes ist wie ein Krebsgeschwür, das ganz Navarre vergiftet. Und ich hab so verdammt lang gebraucht, es zu realisieren. Zu viele meiner Kamerad:innen haben diese Offenbarung mit ihrem Leben bezahlt. Wurden von Monstern aus dem Leben gerissen, die es eigentlich nur in Schauermärchen geben sollte. Sumerton, dieser wahr gewordene Alptraum von einer Mission. Oh, offiziell war es ein Hinterhalt, was kann man auch anderes von den Feiglingen aus Poromiel erwarten? Weitaus mehr, als von der eigenen Führung, wie sich herausstellt. Seitdem bewege ich mich auf verdammt dünnem Eis. Ein falscher Schritt, ein falsches Wort, und ich bin nicht mehr als ein Name auf der Gefallenenliste. Doch wenn mich meine Zeit als Reiterin eines gelehrt hat, dann was es heißt zu kämpfen.
"In the end, the only thing that matters is fighting for who's covering your flank."
Ich weiß nicht, was meine Mutter damals mehr erzürnt hat, dass ich das Aquädukt überquerte, oder die geplatzte Verlobung. Wahrscheinlich die Tatsache, dass ich es überhaupt gewagt habe, ihre ach so sorgsam entwickelten Pläne zu durchkreuzen. Es war definitiv ein Akt der Rebellion, lehnte meine Mutter den Reiterquadranten doch strikt ab. Schließlich haben Drachenreiter die lästige Angewohnheit zu sterben, bevor sie ausreichend Erben in die Welt setzen können. Und oh boy, waren die ersten Wochen ein Realitätscheck, so viel zum Thema ich bin kein verwöhntes Adelstöchterchen. Aber zum ersten Mal in meinem Leben habe ich wirklich für etwas gekämpft. Hab mir meinen verdammten Arsch aufgerissen und es irgendwie geschafft, weder von meinen Mitkadett:innen oder meinen Vorgesetzten umgebracht, noch von einem Drachen geröstet zu werden. Und dann kam die thyrrische Rebellion, und wie die hörige Soldatin, die ich war, konnte ich es nicht erwarten, mich zu beweisen, bekam meine Chance schließlich in Aretia. Hab Jahre damit verschwendet, gegen den falschen Feind zu kämpfen. Es ist schon bittere Ironie des Schicksals, dass ich meiner Familie den Rücken gekehrt habe, um den Machtspielchen des Adels zu entkommen, nur, um in einem noch tieferen Morast aus Intrigen und Verrat zu versinken und es nicht einmal zu merken.
"Doesn't matter if they're saints or assholes. They're your people."
Ich hatte wohl das, was viele als den perfekten Start ins Leben bezeichnen würden. Bin mit einem verdammten, mit Edelsteinen bespickten Löffel im Mund aufgewachsen. Einer Heerschar von Dienern, Kindermädchen und privaten Tutoren. Rauschende Feste und teure Kleider. Klingt wunderbar, oder? Doch wie so ziemlich alles beim Adel, ist es nicht mehr als eine glitzernde Illusion, die ein ziemlich hässliches Bild aus Gier, Korruption und Eigennutz verbirgt. Jede Beziehung nur daran bemessen, welche Vorteile sie einem verschafft, die eigenen Kinder lediglich eine Investition in die Zukunft. Mein Leben war bereits vor meiner Geburt vorausgeplant. Verlobung, Ausbildung, Heirat, Kinder. Jeder Schachzug diente nur einem Ziel. Das Haus Halcyone zu altem Ruhm und Reichtum zurückzuführen. Meine Schwester beherrschte dieses Spiel perfekt, und ich? Ich hab ständig gegen die Spielregeln verstoßen. Was soll ich sagen, Familientreffen sind seitdem frostiger als die Winter Luceras. Aber natürlich nur hinter verschlossenen Türen, schließlich sind wir doch die perfekte Familie. Das ich nicht lache.
"They watch your back and you watch theirs."
Und ich dachte, ich hätte all das hinter mir gelassen. Das falsche Lächeln, die zuckersüßen Worte, während sie das Messer verbergen, mit dem sie dir in den Rücken stechen. Und nun spiele ich dieses verhasste Spiel von Lügen und Intrigen selbst. Gebe vor, weiterhin die loyale, kleine Soldatin zu sein, die trotz allem Land und Krone treu ergeben ist, der es nichts ausmacht, dass sie ihre eigenen Leute belügen muss. Menschen, mit denen ich jahrelang Seite an Seite gekämpft habe, die mir mehr als einmal das Leben gerettet haben, denen ich mein eigenes unzählige Male anvertraut habe. Das schafft ein Band, das mit nichts zu vergleichen ist. Nur mit Fiar kann ich ehrlich sein, bei allen anderen bin ich gezwungen, eine Maske zu tragen. Und dafür hasse ich die Krone fast noch mehr als für ihre Verbrechen.
"Or you've got nothing..."
Gespielt von Nia
Dabei seit: 20.02.2026, 16:37
Zuletzt gesehen: Vor 23 Minuten

Reiterin
20 Jahre alt
i. Sie steht vor dir, schenkt dir ein Lächeln und wartet. Darauf, dass du zu ihr kommst, dich in ihre ausgebreiteten Arme wirfst und die Freude über das Wiedersehen mit ihr teilst. Doch du stehst nur da, starrst sie aus deinen großen, blauen Augen an und traust dich nicht, auch nur einen Schritt zu machen. Du weißt ganz genau, wer sie ist. Kennst sie von Fotos und auch aus Erzählen und du weißt, wo sie in den letzten Jahren war. Deine Mutter kehrt nach ihrer Ausbildung zur Heilerin aus dem Basgiath War College zurück, da bist du fünf Jahre alt und kannst dich gar nicht wirklich an sie erinnern. Sie war jung, als sie dich bekommen hat, genau wie dein Vater, und als ihre militärischen Ausbildungen angefangen haben, bist du bei deinen Verwandten geblieben; bei deiner Tante und deinem Onkel, die ebenfalls Kinder hatten. Wusstest immer, dass sie nicht deine richtigen Eltern, deine richtigen Geschwister waren, aber für dich hat es sich in den vergangenen drei Jahren so angefühlt - und der Gedanke, nun zu dieser Frau zu gehen, der du dein Leben überhaupt erst zu verdanken hast, macht dir Angst. Ein Glück, dass ihr sowieso alle in einem Haus wohnt. Dass du sie kennenlernen und trotzdem bei 'deiner' Familie bleiben kannst.

ii. Du drehst dich. Weichst aus. Merkst, wie deine Mundwinkel sich bereits zu einem zufriedenen Lächeln nach oben ziehen, die Vorstufe eines Grinsens - doch dann ist's ein leiser Schrei, der sich seinen Weg aus deinem Mund bahnt. Schmerz. Brennen. Ziehen. Du presst deine Kiefer zusammen und atmest mit einem Zischen ein, weiß genau, was passiert ist. Du warst zu optimistisch, zu sehr von dir selbst überzeugt, von deiner Geschwindigkeit und deinem Können und musst genau dafür nun nicht zum ersten Mal büßen. Du bist dreizehn Jahre alt und der Schmerz ist kein Unbekannter mehr für dich; trainierst nicht erst seit gestern oder seit einem Monat. Du bist jung und trotzdem weißt du bereits genau, was du möchtest, wofür du das hier machst: für eine Zukunft als Drachenreiterin. Obwohl du weißt, dass auch dein Vater diesen Weg gehen wollte. Obwohl du weißt, dass der Quadrant des Reitens ihn das Leben gekostet hat. Du hast ihn nie wirklich kennengelernt, hast keine Beziehung zu diesem Mann, nichts weiter als einen Namen - und die Rolle des Vorbilds, das eigentlich er hätte sein sollen, wurde von anderen Menschen ausgefüllt. Von jenen, die ihre Ausbildung wirklich geschafft haben. Von Menschen, die dein Leben lang für dich da waren, die dich geprägt und zu der gemacht haben, die nun bist. Und so schwer es dir auch fallen sollte, dies zuzugeben, so einfach kommt dir doch auch dieser Gedanke in den Sinn: deine Mutter ist es nicht. Sie darf deine Verletzungen verarzten und ist auch keine Fremde mehr für dich, doch schaffst du es auch nach all den Jahren nicht, eine engere Bindung zu ihr aufzubauen.

iii. Dein Lachen ist laut. Hell. Herzlich. In deinen Augen bilden sich vereinzelte Tränen, die sich ihren Weg über dein Gesicht suchen, ihn finden - aber sie stören dich nicht. Sie gehören zu diesem Moment dazu, sind ein Zeichen für die gute Zeit, die du gerade hast. Für den Spaß, den du dir auch trotz all des Ernstes in deinem Leben nicht nehmen lassen willst. Drei Jahre noch, bis du dich mit vielen anderen vor dem Viadukt einreihen wirst, vor dem ersten Hindernis auf dem Weg in deine Zukunft. Dein Plan hat sich in den letzten Jahren nicht geändert und den Großteil deines Tages verbringst du mit der entsprechenden theoretischen und vor allem auch praktischen Ausbildung, doch gibt's auch Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist heute, wo das gesamte Königreich den Geburtstag des Königs feiert. Es sind Momente wie diese, in denen du mehr als nur die angehende Soldatin bist, weil du dir erlaubst, einfach nur das siebzehnjährige Mädchen zu sein, das du nunmal bist. Du guckst dir die Parade an, würdest am liebsten jede einzelne der angebotenen Leckereien probieren, versuchst dich an einem Drachen aus Holz, so unbändig, dass er mit schnellen Bewegungen jeden von seinem Rücken schmeißt und guckst dir eine Vorführung auf dem Marktplatz an, eine Komödie, die dich Tränen lachen lässt. Es sind solche Momente, die dich zumindest kurz darüber nachdenken lassen, wie es wäre, ein normales Leben zu führen. Keine harte Ausbildung, kein Drache, der auf dich wartet oder nicht wartet - doch es dauert nie lang, bis dir wieder klar wird, was du wirklich willst.

iv. Die Hälfte hast du geschafft. Die andere Hälfte liegt noch vor dir. Du weißt, dass es dumm wäre, nun stehen zu bleiben und dich umzusehen, aber du tust es trotzdem. Erlaubst dir einen kurzen Moment, nicht etwa, um das Gleichgewicht zu behalten oder einmal Luft zu holen, sondern um diesen Moment in dich aufzunehmen: du bist tatsächlich hier, auf dem Viadukt. Auf dem Weg in den Quadrant des Reitens. Hinter dir liegen Jahre der Vorbereitung, der Anstrengungen. Jahre, in denen du immer wieder versucht hast, deinen Platz zu finden zwischen der Familie, die dich großgezogen hat und im vergangenen Jahr ganz andere Herausforderungen zu bewältigen hatte, und jener Frau, der du überhaupt erst dein Leben zu verdanken hast - sie liegen jetzt hinter dir. Du wirfst einen Blick über deine Schulter, als wäre es tatsächlich die Vergangenheit, die du dort erwartest, doch ist's nur ein weiterer Anwärter, der nun den Viadukt betritt. Direkt nach dir, mit finsterem Blick und schnellen Schritten, als würde er dich verfolgen. Und wahrscheinlich tut er's auch, der Anwärter genauso wie deine Vergangenheit. Du richtest deinen Blick wieder nach vorn, auf das Ziel und auf das Tor in deine Zukunft, bereit diesen kurzen Moment dazwischen zu verlassen. Bereit für das Leben als angehende Drachenreiterin.
Gespielt von Jea
Dabei seit: 14.09.2025, 19:19
Zuletzt gesehen: 01.05.2026, 18:02

Reiter
22 Jahre alt
Calldyr Stadt.
Du hast als Kind so oft davon geträumt, die Hauptstadt des Landes, in dem du aufgewachsen bist, einmal zu besuchen. Hast dir prunkvolle Paläste, bunte Paraden, laute Märkte mit breitem, reichen Angebot vorgestellt - Menschen, die in hübschen Gewändern gekleidet sind, ausgelassene Stimmung. Lebhaft ist die Erinnerung daran, am Rockzipfel deiner Mutter zu hängen; zu ihr aufzusehen, sie anzuflehen, die Stadt, von der du so oft schon gelesen und gehört hast, einmal zu besuchen. Tatsächlich: Würdest acht Jahre später mit deinen Eltern gemeinsam dort sein, doch nichts würd sein, wie du’s dir vorgestellt hast.

Die Hitze von Drachenfeuer legt sich qualvoll auf deine Haut. Schließt nicht die Augen, hast sie starr auf den Anblick vor dir gerichtet - horchst den Schreien der tyrrischen Rebellen, unter denen sich auch deine Eltern befinden. Du weinst nicht, hast deine Tränen aufgebraucht. Nichts ist so, wie es scheint - und wird jemals wieder so werden, wie’s dir gefallen könnte. Prunkvoll zieren die Banner des Königshauses; der Herzogtümer Navarres den Aussichtspunkt am Rande der Stadt, an dem hunderte Menschen an diesem Tag ihren letzten Atemzug inmitten von Flammen tätigen - tosendes Geschrei; Jubel; Hände, die in die Lüfte fliegen, Applaus - und du, du tust nichts, fühlst dich leer, und während sich der 01. Juli 628 anfühlt wie das Ende, ist’s eigentlich nur der Anfang.

Calldyr Stadt.
Dein neues Zuhause. Die ersten Wochen in deiner Pflegefamilie ziehst du’s vor, zu schweigen. Beobachtest - und würdigst ihnen keines Blicks zugleich. Hörst jedes Wort und schenkst ihnen ja doch keine Beachtung. Fühlst dich hier fremd, ungewollt - diese Familie ist so anders als deine. Drachenreiter:innen - verabscheust sie, wie’s sich für einen Sohn der Infanterie gehört. Schwörst du dir nach dem Tod deiner Eltern eines, dann, ihnen und das, für das sie standen, treu zu bleiben. Und die Tage? Sie ziehen ins Land, wiederholen sich. Nichts könnte dich heute weniger interessieren als prunkvolle Paläste, bunte Paraden und laute Märkte. Scheißt auf hübsche Gewänder und ausgelassene Stimmung? Weißt nicht, wie sie sich anfühlt; weißt plötzlich so vieles nicht mehr - deine Welt, sie verschwimmt vor deinen Augen, Realität und Vorstellung - sie vermengen sich.

Gedächtnis, das
Substantiv, Neutrum
Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen oder psychische Vorgänge (im Gehirn) zu speichern, sodass sie bei geeigneter Gelegenheit ins Bewusstsein treten können; Vermögen, Bewusstseinsinhalte aufzubewahren, zu behalten, zu speichern und sich ins Bewusstsein zurückzurufen, wieder zu beleben; Erinnerung[svermögen]

Manipulation, die
Substantiv, feminin
undurchschaubares, geschicktes Vorgehen, mit dem sich jemand einen Vorteil verschafft, etwas Begehrtes gewinnt

Basgiath War College.
Der Gang über den Viadukt war für dich ein Leichtes. Gehörst mit zu den ersten deiner Art, die den Reiter:innenquadranten betreten. Doch du bist anders; gedenkst nicht, dich gegen die missbilligenden Blicke der Anderen mit den übrigen Gezeichneten zu verbünden. Du bist nicht wie sie, siehst die Wahrheit, deine Schuld, die auch ihre ist - verspürst Hass, doch nicht gegen diejenigen, die die Rebellion zerschlugen, sondern gegen die, die sie anzettelten. [ Ist leichter, sie zu hassen, als das System, in dem du gefangen bist. ] Dein Leben geht weiter - doch hinterfragst mit jedem Schritt, den du tust; weißt nicht mehr, was deine Identität ist; wer du bist - und da ist so viel Wut, Angst, Unsicherheit, die dich antreibt, dass du zu ertrinken drohst. Wirst täglich mit einer anderen Version deiner selbst wach, suchst verzweifelt nach ner Boje, die dich über Wasser hält, doch fürchtest hinter jeder Zuflucht eher den Anker, der dich weiter runterzieht. Und so schwimmst du einfach, ohne Ziel, kein Vor, kein Zurück, lässt dich treiben, weil du nicht so recht weißt, wohin eigentlich - und was am Ziel auf dich wartet.
Gespielt von Jule
Dabei seit: 06.09.2025, 18:29
Zuletzt gesehen: 06.07.2026, 18:24

Reiter
22 Jahre alt
Was “Zuhause” ist, was Heimat bedeutet - hast längst aufgehört, dich das zu fragen. Der Standort deiner Familie hat sich so häufig geändert, dass du irgendwann aufgehört hast, zu zählen. Die großen Städte des Landes haben ihren besonderen Eindruck auf dich längst verloren. Wenn’s kaum jemanden gibt, der konstant in deinem Leben bleibt, vor wem sollst du dann damit angeben, dass Calldyr Stadt, Montserrat, selbst Aretia in der Vergangenheit zu den Orten gehörten, an denen deine Eltern ihr metaphorisches Zelt aufgeschlagen haben? Hast so viel von Navarre gesehen, könntest ein junger Mann von Kultur sein, so viel deines Heimatlandes in dir vereinen - und doch fühlt sich all’ das bedeutungslos an, wenn’s keinen Ort innerhalb navarrianischer Grenzen gibt, an dem du jemals deine Wurzeln schlagen, deinen Anker auswerfen konntest.

Seit du denken kannst, verläuft dein Leben schnell und unbeständig. Heute hier, morgen dort - so viele Menschen, denen du schon die Hände geschüttelt hast, so viele Namen, die du schneller wieder vergessen hast, als dass sie dir genannt wurden. ”Junge, lass’ dir niemals in die Karten schauen.” - der laut ihm wichtigste Hinweis, den dein Vater dir fürs Leben jemals würde geben können - er erklärt die Undurchschaubarkeit deiner Familie, die ständigen Standortwechsel, vielleicht auch ihren Reichtum. Fehlte nie an Essen auf dem Tisch, nicht an warmer Kleidung, erst recht nicht an Statussymbolen - nur an Liebe, Wärme, Zufriedenheit - Zuhause.

Dein Vater? Politischer Berater, irgendwann einmal in den Reihen des Königs tätig gewesen, bevor er wie viele Andere seinen Stand verlor. ”Wahnsinniger, alter Sack”, pflegt er zu sagen - zumindest habe ihm seine einstige Position ermöglicht, in den Adelshäusern Navarres gewisses Ansehen zu genießen, die Roosevelts - gern gesehen Gäste an langen, gut gefüllten Tafeln. Deine Mutter? Privatlehrerin, hast nie - abgesehen von jetzt, vom Basgiath War College - eine Bildungseinrichtung von innen gesehen. Was für ein Privileg! - oder? Hätt’ dir vielleicht dabei geholfen, Freunde zu finden, aber gibt Größeres als das - Verbündete. Dafür braucht’s keine Freundschaft.

Dein Verstand ist so scharf wie der Ausdruck auf deinem Gesicht unlesbar. Du bist… schwierig, aber zeigst es nicht immer. Die Maske des charismatischen, humorvollen Typen trägst du wie ne zweite Haut - willst du, dass man dich liebt, musst du etwas dafür tun. Herzliche Strenge, hat’s dein Vater genannt, während er mit ‘nem Stück Wildschweinhaxe im Maul die Spitzen seiner Gabel auf dich richtete und dir überm Esstisch eine weitere Lektion des Lebens erteilte. Kommst nicht weiter mit Freundlichkeit. Erinnerst dich gut, wie er im Anschluss eine Hand an sein Gesicht führte, den Zeigefinger dreimal an seine Schläfe tippte. Beobachte. Jeden. Immer. Und das hast du getan. Viel anderes zu tun hattest du ohnehin nie. Mit wem denn? Und wofür?
Gespielt von Jule
Dabei seit: 20.08.2025, 08:36
Zuletzt gesehen: 02.07.2026, 20:44

Flieger
28 Jahre alt
 Seine Königliche Hoheit Kronprinz Azulon von Poromiel. Titel, Ankündigung, Verantwortung – und kein natürliches Anrecht, kein falsches Versprechen, kein egoistischer Reichtum. Nur eine Würde, manchmal auch Bürde, die es sich jeden Tag aufs Neue zu verdienen gilt, die er an machen Tagen altbekannt zu schultern hat. Vor dem Volk, vor den Göttern, vor sich selbst. Sind nicht die Worte eines Monarchen oder sein Name, die zählen, sondern seine Taten. Taten an vorderster Front, welche vielmehr die alltäglichen Kämpfe eines Fliegers sind denn der große Auftritt jenes Kriegshelden, der den Tag rettet, der sein Vater war. Der letzte König von Poromiel, zumindest in den Augen seines inneren Kindes – und in erster Linie jenen des gesamten Königreichs. Taten an äußerster Grenze, gefühlt so fernab des Volkes, die Nähe zu ihm wäre die eine Sache, von der er unter navarrianischer Folter noch am ehesten zugeben würde, wie sehr sein jüngerer Bruder Vesryn sie ihm voraus hat, wie ihr Vater einst vor ihm. In Wahrheit sind all diese Taten nur so lange nützlich, wie er sie in großen, kämpferischen Reden vom Altan des Palastes aus als jene Geschichten zu erzählen vermag, welche die Hoffnung im Volk, dieses selbst und ihr geliebtes, geeintes Land am Leben halten.
 Viel gibt Azulon nicht auf diesen Titel, zu jeder erdenklichen Zeit damit angesprochen zu werden, hält keine größeren Stücke auf Adel und Politik, als er auf sie und ihre Unterstützung angewiesen ist, als sie die sind, vor denen jener Titel eine Demonstration seiner Macht ist. Kadett, Leutnant, Captain sind die wahrlich verdienten, zugleich alternativlosen Ränge für jemanden, der seinen Titel besitzt – und es innerlich trotzdem jedes Mal ein bisschen zu sehr genießt, ihn aus den Mündern derer zu hören, die ihm unwohlgesonnen, gar missgünstig sind. Während er sich bereiter denn je fühlt, die Ehre und eine gewisse Vorfreude, die Krone aufzusetzen, das Zepter zu übernehmen, der nächste König von Poromiel zu werden. Weil es so verdammt leicht ist sich einzureden, beide Pflichten alleine erfüllen zu können, von Suniva aus mit dem Volk zu regieren und an der Front gegen seine Feinde zu kämpfen. Trotzdem weiß er zu gut, die Fähigkeit sich zu teilen, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, übersteigt selbst die Macht eines Königs.
 Tja, und seit Azulon seine Mutter darin bestärkt hat, die Liebe zu ihrer engsten Vertrauten offiziell zu machen, ist die Königin wieder umso überzeugter davon, diese – seine – Lebensaufgabe lässt sich zu zweit immer noch am besten bewältigen. Ein Vorhaben, das nach dem Tod ihres Mannes vorerst in den Hintergrund gerückt ist, doch nicht weit genug, die Wogen eines Putsches zwischen Braevick und Krovla nicht glätten zu wollen, die Verlobung ihres Sohnes nicht längst geplant zu haben. Immer darauf wartend, die Eine, die Alternativlose, die nächste Königin von Poromiel würde endlich alt genug sein, ihre Ausbildung in Cliffsbane zu beenden. Waren schöne zwölf Monate Flucht vor der Ehe, Flucht an die Front, seit er sich selbst für den Thron bereiterklärt hat, sie seine Heirat zur ersten Bedingung gemacht hat. Eine Bedingung, der sich seine kleine Schwester Ziora ebenso ausgeliefert sieht, nur ohne die Thronfolge zum Grund. Ziora, die ihren Vater auf denselben hohen Podest stellt wie er, der sich nie als das Lieblingskind begriffen hat, weil der König sein Leben für wichtigere Dinge ließ.
 Die Albträume vom Tod seines Vaters plagen Azulon, seit er live und in Farbe – und dann nicht mehr so viel Farbe – gesehen hat, wie ein Veneni ihrem Schwadronsmitglied alle Lebenskraft ausgesaugt hat. Gibt nicht vieles, worin er seinem Vater nicht nachfolgen will, doch gehört das ohne jeden Zweifel dazu. Allein, weil Vesryn niemals dazu imstande wäre, seinen Platz einzunehmen – wennschon Ziora –, wäre doch jeder eigene Nachfolger, den er haben könnte, zu jung, um zu werden, was er mit bald dreißig Jahren noch nicht ist. Niemand ist sich im Klaren darüber wie er, so begrenzt seine Lebenszeit auch sein mag, hat sich die Situation weit genug zugespitzt, es könnte bald gar kein Königreich mehr geben, das es noch wiederaufzubauen gelte. Nichts läge ihm näher, als sein Land zu befreien, es vielleicht sogar durch die Ödlande zu vergrößern – sollten sie sich jemals von der Misshandlung durch ihre machthungrigen Meister erholen –, dadurch den Krieg mit Navarre zu beenden und ihre friedliche Co-Existenz zu sichern. Vergessen aber wird Poromiel niemals, so erhaben es über alle Zweifel auch sein mag, wer sie einst im Stich gelassen hat.
Gespielt von Berry
Dabei seit: 30.07.2025, 16:45
Zuletzt gesehen: 26.06.2026, 15:42

Reiter
22 Jahre alt
Viel ist nicht mehr übrig von dem kleinen Jungen, der voller Neugierde durch verschiedene Tempel geschlichen ist, anfangs nur als Mitbringsel deiner Eltern, die nicht nur zum Beten dort waren, sondern auch regelmäßig damit beschäftigt gewesen sind, im Namen der Götter etwas Gutes zu tun. Soweit du zurück denken kannst, haben die Götter in deinem Leben, in deiner Familie, immer eine besondere Rolle gespielt und aus Erzählungen weißt du, dass diese Rolle in den Generationen vor deiner sogar noch größer war. Es scheint so, als hätte deine Familie sich der Religion verschrieben, schon immer und für immer, nur dass dieser Schwur über die Jahre dermaßen ausgeblichen ist, dass es nicht deine komplette Kindheit und Jugend war, die du damit zubringen musstest, zu Dunne zu beten, um dann, wenn es soweit sein sollte, selbst zu einem mächtigen Krieger zu werden. Denn dass es soweit kommen würde, stand schon in deiner Kindheit genauso fest, wie dass deine Wochenenden damit gespickt wurden, jenen zu helfen, die es nicht so gut getroffen haben wie dich. Freiwillige Arbeit in Thornaks Tempel beispielsweise, um Kleidung oder Essen an jene zu verteilen, denen die Gesellschaft nicht so wohl gesonnen war, wie deiner Familie. Deinen Eltern war es immer wichtig, dass ihre Kinder die Dinge, die sie hatten, nicht für selbstverständlich hielten, dass sie all das zu schätzen wussten und auch lernten, dass nicht alles ihnen einfach so zufliegen wurde. Oft genug war deiner Mutter das dankbare Lächeln jener, denen hier geholfen habt, mehr wert, als irgendein materieller Dank es hätte sein können – und oft genug merkst du auch heute noch, dass ein solcher Blick dir ein genauso gutes Gefühl verschaffen kann, wie irgendeine Gegenleistung für deine Hilfe. Nur dass du mittlerweile gelernt hast, dass diese Selbstlosigkeit allein dich nicht immer weiterbringen kann. Es nicht tun wird.

Aus der unbeschwerten Leichtigkeit, mit der du die Tempel erkundet hast, wurde ein ernster, aufmerksamer Blick, mit dem du deine älteren Brüder bei deren Training beobachtet hast, wurde ein verbissenes Aufeinanderpressen deiner Kiefer, weil du sie selbst in genau diesem Training endlich genauso besiegen wolltest, wie sie es immer wieder mit dir taten. Die Kämpfe waren nicht fair, das war dir klar, doch die Beschwerde darüber durfte dir nicht über die Lippen kommen. Nicht, weil du für sie nicht zu einem weinenden Baby degradiert werden wolltest, aber vor allem auch nicht, weil dein Vater dir dann nie diesen stolzen Blick geschenkt hätte, den deine Geschwister immer wieder von ihm bekamen. Bist genau deswegen anfangs im Training auch viel lieber gegen deine Brüder als gegen deine jüngere Schwester angetreten, weil du bei ihnen alles geben konntest, während du ihr niemals weh tun wolltest. Aurora war schon immer so etwas wie deine Schwachstelle, dein Kryptonit – dass du dich im Training mit ihr vor allem in der Anfangszeit immer wieder zurückgehalten hast, hat dich nicht gerade im Ansehen deines Vaters steigen lassen.

Der Beitritt in den Reiterquadranten stand schon früh genauso fest, wie dass jeden Tag aufs Neue die Sonne wieder aufgehen würde. Das frühe Training hat dir wahrscheinlich bereits am Einberufungstag das Leben gerettet und dir in den Tagen, Wochen, Monaten und Jahren danach nicht nur den Respekt deiner Mitkadett:innen eingebracht, sondern auch schnell dafür gesorgt, dass die Führungsriege dich so auf dem Schirm hatte, wie du es dir von deinem Vater immer gewünscht hast. Als Rookie hast du dich in den Herausforderungen blenden geschlagen, als Junior wurdest du zum Staffelführer, um jetzt, in deinem dritten Jahr nicht nur zum Schwarm- sondern gleich direkt zum Geschwaderführer aufzusteigen. Du wolltest schon vor Jahren hoch hinaus und schaffst das heute nicht nur auf dem Rücken deines Drachen. Der Posten des Geschwaderführers ist für dich nur eine weitere Etappe, ein weiterer Schritt auf dem Weg in die richtige Richtung – für dich, für dein Leben. Und vielleicht auch für die Anerkennung deines Vaters. Etwas, von dem du mittlerweile längst weißt, dass der Wunsch danach dir in den vergangenen Jahren oft genug das Leben gerettet hat, davon aber nicht abhängig ist.
Gespielt von Jea
Dabei seit: 21.01.2025, 20:13
Zuletzt gesehen: 16.05.2026, 22:06

Reiterin
20 Jahre alt
Du bist die Jüngste von Fünf. Das einzige Mädchen. Die kleine Schwester, die Nachzüglerin. Eine Überraschung. Hättest eigentlich nicht sein sollen. Hast das so oft - liebevoll, “als gut gemeinter Scherz” - gehört, dass du irgendwann nicht einmal mehr das müde Lächeln hast aufrecht erhalten können, das vorgibt, sich nicht allzu viel aus einer Aussage wie dieser zu machen. Hättest eigentlich nicht sein sollen und wünscht dir manchmal, du wärst auch nicht geworden - das hätte dir nicht nur die seltsam unangebrachten Sprüche erspart, sondern auch so manch einen Kopfschmerz, den dein Leben mit sich bringt. Sorgen, Ängste, Unsicherheiten, die den Weg unter jedem deiner Schritte pflastern. Gehören zu dir, kannst sie nicht ablegen und weißt nicht, warum - wünscht dir so häufig, deine Brüder würden dir das Geheimnis ihres übergroßen Egos, ihres Ehrgeiz, verraten, doch hast den Versuch, von ihnen ernst genommen zu werden, längst aufgegeben. Bleibst die Kleine, die Unscheinbare - und fragst dich, wie genau sich die Erwartungen, die deine Familie an dich hat, mit diesem Bild vereinbaren lassen.

Beißt die Zähne zusammen, ignorierst den Schmerz in deinem Brustkorb, deinen Knien, blendest das Brennen deiner aufgeschlagenen Fingerknöchel aus. Darfst nicht versagen, nicht schon wieder. Darfst nicht zulassen, dass deine Brüder deine Tränen sehen, nicht schon wieder. Darfst dir keinen blöden Spruch, keinen mitleidigen Blick drücken lassen, nicht schon wieder. Klopfst dir die Hoffnungslosigkeit wie Dreck vom Leder deiner Trainingshose, schluckst dein Versagen hinunter wie bittere Medizin. ”Weiter.”, hörst du dich sagen, doch nicht nur Achilles erkennt, dass du’s eigentlich nicht so meinst. ”Weiter.” Nochmal. Lauter diesmal - und du nickst. Weiter, immer weiter - bis der Tag kommt, an dem du dein unsicheres Stolpern im Kostüm eines gut taktierten Ausfallschritt verkleiden kannst.

Die Dinge ändern sich nie, nicht für dich jedenfalls. Während die Welt um dich herum in stetigem Wandel ist, bleibst du stehen. Wirst nicht zurückgelassen, sondern entscheidest dich bewusst dagegen, mitzugehen. Veränderung macht Angst. Kommst schon so nur schwierig klar mit dem, wie’s ist, und noch weniger damit, wie es vielleicht sein könnte. Irgendwann, irgendwie. Irgendwo. Fühlst dich ganz wohl darin, keine Überraschung zu sein. Keine zu erwarten - weil jede Kleinigkeit droht, dich aus den Fugen zu hauen. Dinge wie zu erfahren, dass dein Bruder nicht wirklich dein (ganzer) Bruder ist; oder die Tatsache, dass deine Eltern sich dazu entschlossen haben, ein Separatistenkind in die Familie aufzunehmen, um ein bisschen Ansehen, Wohlwollen (und Geld) abzustauben. Hm. Dafür, dass die Dinge sich nie ändern, tun sie’s überraschend oft, und überraschend oft hast du’s jedes Mal überstanden. Wie auch immer.
Gespielt von Jule
Dabei seit: 21.01.2025, 19:25
Zuletzt gesehen: 07.07.2026, 19:57

Reiterin
20 Jahre alt
i. Du bist nervös, versuchst es dir jedoch nicht anmerken zu lassen. Bemühst dich, still zu stehen, nicht auf den Füßen zu wippen und auch nicht mit den Fingern zu wackeln. Heute steh er vor dir, lässt seinen wachsamen Blick über deine kleine Gestalt wandern, betrachtet deine Haltung ganz genau und braucht keine zwei Minuten, bis er dir die ersten Anweisungen zur Korrektur gibt. Füße weiter auseinander und niemals die Verteidigung vergessen und du befolgst sie beide augenblicklich. Weißt das eigentlich schon längst, normalerweise denkst du dran und das Zucken seiner Mundwinkel verrät dir, dass er weiß, dass du das weißt. "Vergiss niemals, dass dein Freund morgen schon zu deinem Feind werden könnte, Atlas.", warnt er dich mit ruhiger Stimme und du nickst. Dein Vater weiß schließlich, wovon er spricht, hat selbst Freunde auf der anderen Seite zurückgelassen, wurde für sie zu dem Feind, vor dem er dich nun warnt. Er ist derjenige, der nicht müde wird, dir eines immer wieder einzubläuen: sicher ist sicher Und er ist auch derjenige, auf den es zurückzuführen ist, dass du bereits vor ein paar Jahren deine erste Trainingsstunde hattest. Dass du auch jetzt regelmäßiges Training im Nahkampf erhältst, von deinen Eltern, mit deinem Bruder, von anderen aus eurem Umfeld, denn als Tochter zweier Offiziere soll deine eigene, militärische Laufbahn natürlich abgesichert werden.

ii. Deine Hand umschließt den Stein so fest, wie sie nur kann. Deine Fingernägel graben sich in deine Handinnenflächen, hinterlassen kleine Halbmonde in deiner Haut, doch du spürst den Schmerz kaum. Dein Blick ist starr nach vorn gerichtet, auf ihre Gesichter, damit beschäftigt, sich jedes noch so kleine Detail einzuprägen. Du glaubst nicht, dass du sie jemals vergessen wirst, es überhaupt könntest, doch du weißt: sicher ist sicher. Und das hier ist die letzte Chance, die du bekommst. Der letzte Blick auf die Lachfalten, die seine Augen umspielen, oder auf die Sommersprossen in ihrem Gesicht. Traust dich nicht zu blinzeln, nicht einmal, als das Drachenfeuer schließlich über sie hinwegfegt und die Hitze nicht nur in deinem Gesicht brennt. Du schaffst es nicht – und als du deine Augen wieder öffnest, ist da nur noch Staub. Asche, wo deine Eltern eben noch standen. Und ein Brennen auf deinem linken Arm, dessen Hand noch immer den Stein hält; so fest, als wäre er dein letzter, dein einziger Halt. Dein Blick wandert zu dieser Stelle, du erwartest halb, nun selbst in Flammen zu stehen – doch sind keine Flammen, die du dort siehst, auch kein Rauch. Es sind dunkle Linien, die sich an deinem Arm entlangziehen und, nach den überraschten Geräuschen um dich herum, nicht nur bei dir erschienen sind. Verstehst es nicht sofort, aber das ist okay. Du verstehst an diesem Tag sowieso nicht viel. Verstehst nicht, wie das alles so plötzlich passieren konnte, wie ihr hier landen konntet. Dein Bruder an deiner Seite, deine Eltern – weg. Das einzige, was du wirklich verstehst, ist, dass dieser Tag mehr Veränderungen mit sich bringt, als dir lieb ist. Veränderungen, wobei keine einzige von ihnen wir überhaupt wirklich lieb ist. Oder sein wird.

iii. Nackte Füße schleichen über kalten Boden, halten bei jedem noch so kleinen Geräusch einen Moment lang inne. Du traust dich nicht, deine Schuhe bereits im Haus zu tragen, befürchtest, damit zu laute Schritte zu verursachen und jemanden auf dich aufmerksam zu machen – dabei weißt du nicht einmal, ob das wirklich etwas Schlimmes wäre. Hast es nie probiert, nie provoziert, weil du das Risiko nicht eingehen wolltest. Sicher ist sicher, hallt die Stimme deines Vaters in deinem Kopf wider, gefolgt von einem Kloß, der sich in deinem Hals festsetzt. Wie immer, wenn du an ihn denkst. Oder an deine Mutter, deinen Bruder. Du schließt die Augen, atmest einmal tief durch, bevor du die letzten Meter zurücklegst, hinaus aus dem Haus, in dem du nun dein Dasein fristest und hinein in das schwache Licht der aufgehenden Morgensonne. Es ist eine Art Ritual für dich geworden, noch vor Sonnenaufgang zu trainieren. Laufen zu gehen, gegen Heuballen auf nahegelegenen Feldern (oder in deren Scheunen) zu kämpfen, alles zu geben, um deine Zukunft wenigstens noch ein wenig abzusichern. Bist längst nicht so fit, wie du es wahrscheinlich durch das Training mit deiner Familie geworden bist (oder wärst), aber komplett gehen lassen kannst und willst du dich nicht. Das hätte deine Familie genauso wenig gewollt, wie die Menschen, unter deren Dach du nun lebst, dein Training unterstützen wollen.

iv. Du wippst auf deinen Füßen vor und zurück, spielst an den Fingern deiner Hände und lässt deinen Blick immer wieder unruhig herumwandern. Über all die Köpfe derer, die hinter dir stehen, neben dir, vor dir. Und immer wieder hin zu der schmalen Steinbrücke, dem Viadukt, von dem gerade erst eine junge Frau gestürzt ist. Heute ist der Tag der Tage. Der Tag, auf den dein bisheriges Leben immer wieder ausgerichtet wurde, von dem dir insbesondere in den letzten Wochen immer bewusster wurde, dass er zu einer großen Wahrscheinlichkeit dein letzter werden könnte. Der letzte Tag deines Lebens oder auch der erste Tag vom Ende deines Lebens, mit jeder Minute dem Tod ein wenig näher. Du spürst einen missbilligenden Blick auf dir und für einen Moment fühlt es sich an, als wäre es der Blick deines Vaters, tadelnd dafür, dass du deine Nervosität so nach außen zeigst, doch das Gesicht, aus dem er kommt, ist wesentlich jünger, wesentlich unbekannter. Du fühlst dich schwach zwischen all den anderen Anwärter:innen, wie ein Niemand, sobald du einen Blick auf deinem Handgelenk spürst – und doch willst du gerade nirgendwo anders sein als hier, wo du, wenn du diesen kleinen Spaziergang schaffst, endlich auch deinen Bruder wiedersehen wirst. Dem letzten bisschen Familie, das du noch hast. Der größte Grund, der dich in den letzten Jahren angetrieben hat und neben der ganzen Ungewissheit wegen dem, was dich erwartet oder ob du es überhaupt über den Viadukt schaffst, vielleicht auch ein Grund für die Unruhe, die dich gerade umtreibt.
Gespielt von Jea
Dabei seit: 17.11.2024, 18:43
Zuletzt gesehen: Vor 3 Stunden

Reiterin
22 Jahre alt
Ein Albtraum; schon wieder. Es ist der dritte diese Woche - hast dir geschworen, nicht mehr zu zählen, weil's keinen Unterschied macht, ob du ihnen Beachtung schenkst oder sie ignorierst. Sie sind da. Sie lassen dich aufwachen, schweißgebadet, und dich, vollgepumpt mit Adrenalin, stundenlang durch dein Zimmer laufen. Das hast du davon. Du weißt, dass du eigentlich nicht allein sein kannst, bist es daher auch selten. Schleichst dich mit deiner offenen Art, dem breiten Grinsen und deinem unverschämt guten Look im Reiterleder nur allzu leicht auf die Räume anderer Kadettinnen - hat nicht nur Nachteile, von den Atemzügen anderer in den Schlaf begleitet werden zu müssen; hast auch was davon. Könntest du wählen, wüsstest du, was dir lieber wäre. Mit deinen Gedanken allein sein zu können. Zweifel und Ängste zulassen zu können, ohne, dass sie dich gleich beherrschen - und dein Weltbild aus dem Gleichgewicht bringen.

Du warst schon immer anders. Schwierig anders: gibt gab nicht viele Menschen, denen du dein Vertrauen schenken konntest. Noch weniger Menschen, die dich mochten, freiwillig Zeit mit dir verbrachten. Warst schweigsam, in dich gekehrt, eine Beobachterin - hast dich bewusst zurückgezogen, keinen Gruppen angeschlossen. Deinen kleinen Kreis behalten - die Menschen, die dich so akzeptieren, wie du bist warst. Hast nicht gelacht, wenn andere es taten. Nicht verstanden, wenn etwas witzig war. Hast die Dinge, an denen Gleichaltrige Freude fanden, nur schwer nachempfinden können. Mit dir macht’s keinen Spaß, weil dir die Ernsthaftigkeit ins Gesicht gebrannt worden ist noch bevor du Laufen konntest. Weißt nicht, ob’s stimmt - aber war schon immer ein beliebter Scherz, der auf deine Kosten ging. Du hast irgendwann gelernt, wie die Stimmen von Menschen klingen, wenn sie etwas sagen, was sie nicht ernst meinen. Hast dich an den Tonfall gewöhnt und daran, welchen Knopf du drücken musst, um an den richtigen Stellen zu lachen. Hast gelernt, zu funktionieren. Nicht mehr teilnahmslos und kühl zu wirken, ob du dich im Inneren doch eigentlich so fucking lebendig fühlst.

Um die Richtung, in die der Weg deines Lebens dich führen wird, hast du dir nie Gedanken machen müssen - bist dankbar darum, dass der Weg in den Reiterquadranten für dich alternativlos war. Ein Problem, eine Frage weniger, die du dir hast stellen müssen. Tauscht die blauen Flecken, die brennenden Lungen und die bleierne Müdigkeit, die Stunden des Trainings dein Leben lang zu deinen treuen Begleitern machten, jederzeit ein gegen die Verantwortung, dein Leben planen zu müssen. Bist dir ohnehin ganz sicher: du willst das hier, mehr noch, bist gemacht worden für die Rolle, die du einnimmst. Kadettin, Staffelführerin, vielleicht Schwarm- oder Geschwaderführerin, wenn dein Weg von Erfolg gekrönt ist. Beißt die Zähne zusammen, atmest tief ein, tief aus - und hast Vertrauen. In dich, in deine Partnerin - ihre halb-durchsichtigen, orangefarbenen Flügel; ihr Feuer, euer Feuer, das unter deinen Fingerspitzen kitzelt. Gibt keinen Feind, den ihr gemeinsam nicht niederbrennen könnt, nur dich selbst, keine Angst, die größer ist als die Macht eurer Bindung. Bist genau an dem Ort, an den du gehörst. Hast es schließlich nicht anders gelernt.
Gespielt von Jule
Dabei seit: 04.03.2024, 13:59
Zuletzt gesehen: Vor 4 Stunden


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based on "the empyrean"-series by Rebecca Yarros