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Nicht genug. Das bist du schon dein Leben lang. Du bist nicht schnell genug, nicht stark genug. Du bist nicht gut genug. Das merkst du mit jeder einzelnen Faser deines Körpers, der sich einfach nicht nach dir anfühlt. Dabei hättest du es so viel einfacher haben können, wenn du akzeptiert hättest, wer du bist: Nephelos Swansea. Sohn zweier talentierter Drachenreiter und der ganze Stolz deiner Mutter. Aber wann immer du Zeit mit anderen Jungs verbringst, fühlst du dich fehl am Platz. Kannst nichts der Grobheit abgewinnen, mit der sie ihren Tag bestreiten. Findest es nicht sonderlich amüsant, wenn sie sich gegenseitig durch den Dreck ziehen. Bist in deinem Verhalten schon immer ein wenig zarter und in deiner Aussprache sanfter. Lauschst lieber den Gesprächen der anderen Mädchen und schließlich ist es - wieder einmal - deine ältere Schwester, die dir hilft, dich selbst zu finden. Ganz zum Leidwesen deiner Eltern, die kein Geheimnis daraus machen, dass sie deine Entscheidung nicht akzeptieren. Dein Vater mehr als deine Mutter. Damit hast du dich jedoch abgefunden und der Tag als dein Vater dir deutlich macht, dass du als Nephele nichts weiter als ein bloßer Witz bist ist der Tag, an dem du dir selbst das Versprechen gibst dich für absolut niemanden zu verbiegen. Es ist der Tag, an dem du beschließt, dein Leben von nun an als Nephele Swansea zu beschreiten.
Deine langen Haare hast du schon immer mehr geliebt als alles andere, dennoch hast du diese bereitwillig abgeschnitten, bevor du deine Ausbildung am Basgiath War College begonnen hast, weil die Erinnerung in den Haaren wohnt. Zwar bist du deinen Eltern auf eine recht verdrehte Art und Weise dankbar dafür, dass sie dich auf diese Zeit vorbereitet haben, aber deine Ausbildung willst du dennoch ohne Altlasten beginnen und betrachtest es als einen Neuanfang – oder zumindest ist das dein Plan. Denn so sehr du deine Vergangenheit, an die dich deine Narben tagtäglich erinnern, leugnest bist du am Ende des Tages trotz allem eine Swansea. Und wie kannst du und sollst du etwas leugnen, dass so tief in dir verankert ist?
Die Enttäuschung, die du verspürst, ist groß, als du realisierst, dass du an keinen Drachen gebunden wurdest und damit dein Jahr als Rookie wiederholen musst. Immerhin lebst du noch, redest du dir ein, denn das können Andere aus deinem Jahrgang nicht mehr von sich behaupten. Dennoch macht dir dieser Umstand zu schaffen, bestärkt den Zweifel, der schon immer in dir geschlummert hat. Aber anstatt sich in all dem (Selbst-)Zweifel zu verlieren, gibst du dir in deinem zweiten Anlauf als Rookie noch mehr Mühe. Trainierst länger und härter. Nicht nur deinen Körper, sondern auch deinen Geist, weil du dir sicher bist, dass du beim nächsten Mal nicht lebend aus der Nummer rauskommst. Diese Sorge ist jedoch in dem Moment vergessen, als sich der rote Schwertschwanz für dich entscheidet, der genauso unberechenbar und unschlüssig ist, wie du selbst – wenn nicht sogar noch schlimmer.
Gerne würdest du behaupten, dass du eine umgängliche Person bist, aber die traurige Wahrheit ist, dass du das genaue Gegenteil davon bist. Deine Stimmungsschwankungen sind schlimmer als die eines orangenen Drachens. Unsicherheit ist dein ständiger Begleiter an der einen Hand, die Hoffnung an der anderen. Mit dir ist es ein ständiges Auf und Ab. Hast du einen guten Tag? Hast du einen schlechten Tag? Man kann sich nie sicher sein – am besten bleibt man auf Abstand, wobei du dafür ganz von allein sorgst. Weil du dich stets im Hintergrund aufhältst, hast du gelernt zu beobachten. Nicht nur das Geschehen, sondern auch alles zwischenmenschliche. Du beobachtest ganz genau und sehnst dich nach dem freundlichen Lächeln und Grüßen, die in der Regel halbherzig an dich ausfallen. Sehnst dich nach der herzlichen Umarmung, weil du dich nicht mehr an das Gefühl erinnern kannst – nicht einmal weißt, ob du jemals eine erhalten hast. Ein Freak, als das bezeichnet man dich und genau so fühlst du dich auch. Dabei möchtest du dich doch nur zugehörig fühlen, möchtest endlich ankommen.